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Medien & TV ARD zeigt zweite Staffel der BBC-Serie „Sherlock“
Nachrichten Medien & TV ARD zeigt zweite Staffel der BBC-Serie „Sherlock“
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12:02 16.05.2012
Von Karsten Röhrbein
Foto: Exzentrisches Duo: Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch, links) und John Watson (Martin Freeman) warten auf neue Klienten.
Exzentrisches Duo: Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch, links) und John Watson (Martin Freeman) warten auf neue Klienten. Quelle: ARD
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Ein Toter, dessen Asche spurlos verschwunden ist? Ein Kaninchen, das aus seinem fest verriegelten Käfig im Kinderzimmer getürmt sein soll? Was bitte sind das denn für Fälle? Sherlock Holmes kann es nicht fassen. Warum bloß denken alle Leute, dass ausgerechnet ihn, den brillanten Kriminalisten, ein Problem reizen könnte, das ein mäßig begabter Streifenpolizist binnen weniger Minuten aufgeklärt haben müsste? Es ist zum Auswachsen. Und dann sitzt da auch noch dieser verschüchterte Klient, der partout nicht auf den Punkt kommt. „Langweilen Sie mich nicht!“, herrscht Holmes den Mann an – um dann doch Gefallen an seiner Geschichte über den furchterregenden Hund zu finden, der nachts durch das Dartmoor streifen soll.

Zum Glück. Denn nicht nur Sherlock Holmes wird unruhig, wenn kein komplizierter Fall zu lösen ist, sondern auch seine Fans. Von morgen an hat das Warten ein Ende, wenn das Erste endlich die neuen Folgen der BBC-Serie „Sherlock“ ausstrahlt. Die erste Staffel der außergewöhnlichen Krimiserie hatte die ARD 2011 im tiefsten Sommerloch auf dem 21.45-Uhr-Sendeplatz nach dem Sonntags-„Tatort“ versteckt – wo „Ein Fall von Pink“ , „Der blinde Banker“ und „Das große Spiel“ dennoch überraschend gute Quoten holten.

Für Puristen, die jeden neuen Holmes-Darsteller sofort mit den Illustrationen von Sidney Paget aus dem „The Strand Magazine“ abgleichen – in dem zwischen  1887 und 1927 viele von Arthur Conan Doyles 56 Detektivgeschichten und vier Romanen erschienen sind – ist „Sherlock“ ein Affront. Dass sich Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch beharrlich weigert, den obligatorischen Deerstalker-Jagdhut aufzusetzen, ist dabei ihr kleinstes Problem. Die Drehbuchautoren Steven Moffat, Steve Thompson und Mark Gattis lassen den berühmtesten Privatdetektiv der Welt im London der Gegenwart ermitteln – ohne Droschken und Gaslampen, sondern mit iPhone und Laptop.

Und noch etwas haben sie in den Doyle-Kosmos eingeführt: Humor. Martin Freemann („Hot Fuzz, „The Office“) spielt den Watson nicht mehr als devotes Faktotum, dessen Job bei Doyle vor allem darin bestand, falsche Hypothesen aufzustellen, die der Meisterdetektiv dann genüsslich widerlegen konnte. Er hat keine Scheu, Holmes für dessen fast autistischen Umgang mit Sexualität aufzuziehen: „Ein Date – das ist, wenn zwei Leute ausgehen und sich amüsieren.“ Forscher als Watson ist in den neuen Folgen nur eine: Irene Adler (Lara Pulver). Aus der doch etwas biederen Opernsängerin aus der Doyle-Vorlage wird bei „Sherlock“ eine eiskalte Edel-Domina, die auch bei Mitgliedern des Königshauses verkehrt – und dabei mit ihrem Smartphone pikante Aufnahmen gemacht hat. Dass Holmes damit beauftragt ist, die Daten wiederzubeschaffen, weiß sie längst. Auf seine Maskeraden fällt das 2012er Update nicht mehr herein. „Sie sind soziopathisch, wahnhaft und glauben an eine höhere Macht – sich selbst“, sagt sie zu Holmes – eine Analyse die den metrosexuell veranlagten Detektiv schier verzückt.

Die Folge „Ein Skandal in Belgravia“, in der Adler ihren großen Auftritt hat, war in England ein kleiner Skandal, weil eine nackte Frau zu sehen war. Viel hitziger aber wurde dort vor knapp vier Monaten über das Ende von „Der Reichenbachfall“ diskutiert. Dort trifft Sherlock Holmes zum zweiten Mal auf seinen genialischen Gegenspieler James Moriarty (Andrew Scott) – und tappt in dessen fein gesponnenes Netz aus Intrigen und Halbwahrheiten. Um seine Freunde zu schützen, stürzt er sich am Ende in den Tod – so wie im Jahr 1893 in „Das letzte Problem“, als Doyle seines Holmes’ überdrüssig war. Im Original tauchte er, nach massiven Protesten von treuen Fans, zehn Jahre später, 1903, wieder auf. Bei „Sherlock“ könnte das schneller gehen: Im Abspann blickt Holmes auf sein eigenes Grab – und die TV-Zuschauer rätseln: Wie kann das sein? Ein Problem, das eines Meisterdetektivs würdig ist.

„Sherlock“ | ARD
„Ein Skandal in Belgravia“
Donnerstag, 20.15 Uhr
„Die Hunde von Baskerville“
Sonntag, 27. Mai, 21.45 Uhr
„Der Reichenbachfall“
Montag, 28. Mai, 21.45 Uhr

15.05.2012
14.05.2012