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Medien & TV ARD zeigt Familiendrama „Uns trennt das Leben“
Nachrichten Medien & TV ARD zeigt Familiendrama „Uns trennt das Leben“
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19:52 03.04.2012
Von Sebastian Harfst
Ärztin Nora (Julia Koschitz) analysiert die krakeligen Zeichnungen, die David (Jannik Brengel) an die Wände der Kinderpsychiatrie gemalt hat. Quelle: ARD
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Hannover

Ein sechsjähriges Mädchen ist tot. Erschlagen von einem Achtjährigen. Eben noch tollten die beiden scheinbar unbeschwert durch ein Restaurant, in dem gerade eine Hochzeit gefeiert wird, und rennen weiter in den nahen Wald. Was aber niemand der Feiernden sieht: Der achtjährige David wird da bereits verfolgt – von einem Trugbild, einem für ihn bedrohlichen Clown. Verzweifelt versucht er, ihn zu vertreiben. Dabei stirbt die kleine Tine.

Was klingt wie der Beginn eines zweitklassigen Horrorfilms, ist die Ouvertüre zu dem hervorragenden Familiendrama „Uns trennt das Leben“. Mit beeindruckender Dichte und Klarheit erzählt Regisseur und Drehbuchautor Alexander Dierbach darin die Geschichte dreier verschiedener Familien(-entwürfe), deren Leben sich plötzlich durch einen schrecklichen Schicksalsschlag kreuzen. Als die warme Decke des Alltäglichen erst mal weggezogen ist, tauchen Einsamkeit bis zur Isolation, Verdrängung, Egozentrik, Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit darunter auf.

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Vor allem die drei Hauptdarstellerinnen verdienen die Höchstnote. Da ist zum einen die über jeden Zweifel erhabene Anneke Kim Sarnau (bekannt vor allem aus dem Rostocker „Polizeiruf“) als Constanze, die Mutter von David. Alleinerziehend und überfordert vergisst sie über die Suche nach einem neuen Mann ihren Sohn. Und dass der immer wieder ausreißt, um am Flughafen auf seinen leiblichen Vater zu warten – der doch nie kommt und nie kommen wird –, kommentiert sie mit dem Satz: „Wenn du nicht wärst, wär’ er gar nicht weg.“ Sie sagt das unbedacht, aus der Erregung heraus. Härter aber können Worte kaum verletzen und sich in die Seele eines Kindes einbrennen.

Der kleine David (Jannik Brengel) malt da bereits die Wände seines Zimmers in der Kinderpsychiatrie voll. Es ist seine einzige Art, sich auszudrücken, er versteht ja selbst nicht, was da im Wald passiert ist. Nur langsam dringt Ärztin Nora (Julia Koschitz) zu ihm durch, um zu verstehen, was den Jungen bewegt. Während dieses Prozesses vergisst auch sie sich selbst, ihre Schwangerschaft, ihren netten, aber chronisch klammen Freund. Richtig kommunizieren kann sie nur noch bei der Arbeit und im Kampf mit ihrem Chefarzt (Dominic Raacke), der vom Schreibtisch aus dem Jungen eine Krankheit diagnostizieren will, die er selbst medizinisch beschrieben hat.

Und dann ist da noch Sabine (Jasmin Schwiers), die Mutter der toten Tine. Sie war glücklich mit Tochter und Mann (Tim Bergmann). Nun erlebt das Paar die Horrorvorstellung aller Eltern. Über den Tod des eigenen Kindes driften die Ehepartner auseinander. Während er versucht, irgendwie zur Tagesordnung überzugehen, um das nicht mehr Veränderbare anzunehmen, hält sie sich krampfhaft an dem Trugschluss fest, nur die Aufklärung des Geschehens rund um die Tötung ihrer Tochter könne ihr helfen, damit umzugehen. Böse Vorhaltungen sind die Folge: „Wenn ich nicht wüsste, dass du der Vater bist, würde ich daran zweifeln.“

Selten gelingt es Regisseuren, verschiedene Charakter-, Erzähl- und vor allem Zeitebenen so nachvollziehbar miteinander zu verbinden, dass nicht völlige Konfusion beim Zuschauer entsteht. Bei „Uns trennt das Leben“ muss niemand fürchten, den Anschluss zu verlieren. Und bei aller Traurigkeit des Stoffs haben sich Regisseur Dierbach und Kameramann Ian Blumers darauf geeinigt, eben nicht in gedeckten Farben, tristen Grautönen und albernen Dauerregenszenarien zu filmen. Die Farben sind ebenso klar wie die Erzählweise.

„Uns trennt das Leben“ | ARD
Drama mit Anneke Kim Sarnau
Mittwoch, 20.15 Uhr

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