Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Terry Hoax unter Freunden
Nachrichten Kultur Terry Hoax unter Freunden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:31 22.12.2018
Terry Hoax im Capitol: (von links) Marcus Wichary, Oliver Perau und Kai Schiering.
Terry Hoax im Capitol: (von links) Marcus Wichary, Oliver Perau und Kai Schiering. Quelle: Samantha Franson
Anzeige
Hannover

Irgendwann hält Oliver Perau mal kurz inne, blickt fassungslos ins Publikum, auf das Meer aus erhobenen Armen und die vor Begeisterung strahlenden Gesichter und sagt mit hörbaren Ausrufezeichen: „Terry! Hoax! 2018!“

Ein besonderer Abend, wieder einmal, und ein besonderes Konzert. Das Konzert zum Jahresende im Club am Schwarzen Bären hat Tradition für Band und Fans, eine Tradition, die nicht alt wird, von einer Band, die, so scheint’s, von Jahr zu Jahr besser wird und so lustvoll aufspielt, als sei sie gerade erst gegründet. Nichts könnte falscher sein: Die Hannoveraner feiern an diesem Abend ihr 30. Bandjubiläum gleich mit. Und so wird es ein besonders besonderes Konzert.

Im Publikum alte Wegbegleiter wie die Gründungsmitglieder Ingo Schröder und Armin Treptau oder der Starfotograf Olaf Heine, der damals mit Terry-Hoax-Fotos seine Karriere begann. Und ein Programm, das in der Vergangenheit gründet und nach vorne drängt: Es reicht vom Opener „Sing a Song for you“ vom aktuellen Album „Thrill!“ zu „Hot Heyday“ vom ersten Tape. Von „Policy of truth“, das geniale Depeche-Mode-Cover, das Terry Hoax 1992 zur ersten deutschen Band auf MTV machte, bis zu Exoten wie „Pale Soul“ und „Quickly Growing Hills of Problems“ vom 1994er-Album „Splinterproof“, die es durch eine Fan-Umfrage in die Setlist schafften.

Harte Gitarren und umwerfende Melodien, eine perfekt eingespielte Maschine aus Individuen: Perau ist die perfekte Rampensau. Daneben tobt sich Bassist Kai Schiering wie ein zweiter Frontmann aus, pflückt Gitarrist Jenzzz Gallmeyer mit stoischer Miene ein Plektron nach dem anderen von der Halterung am Mikrofon, haut Marcus Wichary scheinbar ungerührt seine Riffs heraus, und trommelt Hachy M. Hachmeister wie ein Weltmeister.

Natürlich sind wieder Gäste da: Gitarrist Andreas Peters und Schlagzeuger Karsten Kniep, die sonst bei Konzerten einspringen, wenn ein Band-Mitglied gerade keine Zeit hat. Und natürlich Martin Wichary, mit dem Perau einst die Band gründete – da kamen sie gerade von einem Konzert von Trashing Groove, der Band des älteren Wichary Marcus und Hachmeister. Ein Stück musikalische Hannover-Geschichte. „Waterland“ spielen sie in den Zugaben zu acht, und jeder Ton greift perfekt ineinander.

„Ich mache das so lange, bis ich dabei sterbe“, hatte Perau bei „Touch the Sky“ gesagt, bevor er bei „Touch the Sky“ ins Publikum sprang und sich tragen ließ von den hochgereckten Armen und dem Chorus: „Friends forever“. Das Capitol, es ist an diesem Abend ein einziger hingerissener Freundeskreis.

Man kann sich in Anbetracht eines solchen Konzertes nur wundern, dass Terry Hoax anderswo nicht genauso groß sind wie in Hannover, dass der ganz große Durchbruch immer ausblieb. Aber dann schaut man auf die Gesichter derer auf der Bühne und im Publikum, auf diese ganz große Terry-Christmas-Familie und stellt fest: Es ist völlig egal. Besser geht’s nicht.

Von Stefan Gohlisch