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Kultur Zar und Zimmermann - gelungenes Operndebüt
Nachrichten Kultur Zar und Zimmermann - gelungenes Operndebüt
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12:33 29.11.2010
Das Theater für Niedersachsen hat für "Zar und Zimmermann" eine witzige Spielfläche geschaffen.
Das Theater für Niedersachsen hat für "Zar und Zimmermann" eine witzige Spielfläche geschaffen. Quelle: Hartmann
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VON HARALD HOLSTEIN

HANNOVER. Das hat was. Statt im holländischen Hafen spielen sich die europaweiten Intrigen der „Zar und Zimmermann“-Gesellschaft auf einem Monopoly-Brett ab. Auf riesigen Karten stehen Handlungsanweisungen wie „Bilden Sie Vertrauen!“ oder „Sie haben noch einen letzten Versuch!“ und hämische Kommentare zu den Patzern des Bürgermeisters. Und wenn der verliebte Peter Iwanow (Jan Kristof Schliep) eifersüchtig ist, wird er kurzerhand von seiner Angebeteten auf das Feld Schmollecke verwiesen.

Mit Albert Lortzings komischer Oper gab das Theater für Niedersachsen am Sonnabend sein Operndebüt in Hannover im Theater am Aegi, das Haus war voll, der Klang gut, der Applaus lang anhaltend – ein gelungener Start. Was auch an der Wahl des Stücks liegt, das wilde Verwechslungen verheißt. Wenn zwei Russen sich im Ausland als Zimmermänner ausgeben, klingt das harmlos. Wenn sich dahinter aber ein Deserteur und der Zar verbergen, verheißt das Turbulenzen. Die kostet Werner Pichlers Inszenierung aus – wobei das schlüssige Bühnenbild von Steffen Lebjedzinski die Komik mit viel Ironie und Augenzwinkern unterstützt.

Eine der witzigsten Figuren der Opernliteratur hat Lortzing mit dem eingebildeten Bürgermeister van Bett geschaffen. Der selbstverliebte Narr hält sich für besonders klug und weise und greift immer daneben. Uwe Tobias Hieronimi spielt das gut aus, zeigt sich auf der Bühne sehr präsent, in den tiefen Lagen allerdings nicht immer.

Schön ausgearbeitet sind die Figuren des englischen und französischen Gesandten. Durchweg sind die Rollen gut besetzt; klangvolle und klar geführte Stimmen lassen das Theater am Aegi zum Klassikhort werden. Ebenso angenehm sorgt der in den Tempi wache und gleichzeitig sehr luftige Charakter des Orchesters unter dem Dirigat von Matthias Wegele für die Leichtigkeit der Szenen.

Reichlich Situationskomik spielten die Akteure aus, dennoch hätte das Stück noch etwas mehr Feuer vertragen können; die Inszenierung von Werner Pichler blieb etwas unbeweglich. Doch das Publikum honorierte einen Opernabend, der leicht und witzig, originell und mit guter Qualität daher kam. Und mit Spielsteinen in Schiffform, die nicht nur als Sitzgelegenheiten und Wurfgeschosse, sondern schließlich auch als Thron des Zaren dienten.

Bewertung: 4/5

Wieder am 30. November, 20 Uhr, 19.30 Uhr Einführung.