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Kultur Yakari sucht das „Geheimnis des Lebens“
Nachrichten Kultur Yakari sucht das „Geheimnis des Lebens“
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14:01 20.12.2018
Zeichentrick-Folklore: Szene aus dem „Yakari“-Musical. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Es geht um nicht weniger als das „Geheimnis des Lebens“ darunter machen es die Indianer nicht, besonders wenn sie Yakari heißen und erprobte Abenteurer sind – ob im Comic, Zeichentrick oder jetzt schon zum zweiten Mal im Musical. das gastierte jetzt in der Swiss-Life-Hall.

Schon seit 1973 reitet der kleine Yakari auf seinem treuen Pferd Kleiner Donner durch die Prärie. Das schweizerisch-französische Kreativteam Derib und Job schuf 39 Comicalben, die inzwischen von einem neuen Autoren fortgesetzt werden. Die erfolgreiche Fernsehserie (bei uns im KiKa) tut ihr Übriges, den Indianerjungen zu einer festen Größe in den Kinderzimmern zu machen. 2013 wurde das Kindermusical „Yakari – Freunde fürs Leben“ in Stuttgart uraufgeführt. Nun hat Komponist Thomas Schwab eine Fortsetzung erdacht.

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Darin muss Yakari hinter besagtes „Geheimnis des Lebens“ kommen, obwohl es eigentlich bloß um einen alten Federschmuck geht. Aber da in diesem Stück alle aus jeder noch so kleinen Tat eine gewaltige Prüfung machen, geht es immer ums große Ganze. Und um viele, sehr viele pädagogische Kalendersprüche.

Die allerdings mehr behauptet als erzählt werden: „Macken sind wie Sommersprossen“ heißt es in einem Lied, dabei weist eigentlich keine Figuren richtige Macken auf, bis auf den Waschbären „Tollpatsch“ vielleicht („Der Name kommt von ‚toll’, nicht was ihr denkt!“).

Und „Freundschaft“ rührt daher, dass Freunde gemeinsam alles schaffen, schon klar. Warum die Indianer allerdings überhaupt nur einen der ihren auf die Suche schicken, wird gar nicht erst erklärt. Das verwirrt offenbar auch Yakari: Erst lässt er seine schlafenden Freunde zurück, um die alte Indianerin Mondgeist zu suchen, dann singt er flehend „Wer geht mit mir“ – zu „Ohoohoo“-Chören, die auch Mark Forster gefallen würden.

Die Musik ist allgemein der große Pluspunkt: Viele gar nicht so unangenehme Ohrwurm-Melodien sind dabei, die auch auf längeren Autofahrten sicher nicht schon beim ersten Drücken der „Repeat“-Taste nerven. Dass die Kinderfiguren von kräftig gebauten Erwachsenen dargestellt werden, die von einem zum anderen Moment wie ein „Chippendale“ über die Bühne tanzen, irritiert vermutlich nur die älteren Zuschauer. Die Ansprüche sind eben unterschiedlich.

Die Erwachsenen mögen in der Pause den fehlenden Spannungsbogen beklagen, während ein Kind schon beim Anblick der Figur selig „Kleiner Donner“ ruft und die schön gestalteten, projizierten Hintergründe bestaunt, die an die Fernsehserie erinnern. Immerhin bietet Yakari, der mit den Tieren sprechen kann, sogar eine angenehm gelassene Haltung zur aktuellen Wolf-Hysterie: einfach mal mit dem Tier reden, dann man sich getrost auch gemeinsam betten.

Oder man nimmt’s so locker wie Tollpatsch: „Meine Lebenserwartung ist eh nicht so hoch.“ Am Ende gibt es jedenfalls großen Indianerjubel im Saal.

Von Matthias Wieland