Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Wo Liebe Flügel verleiht: So poetisch ist das Wintervarieté „Sông Trang“
Nachrichten Kultur Wo Liebe Flügel verleiht: So poetisch ist das Wintervarieté „Sông Trang“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:19 26.11.2018
Poetisch und Kraftvoll: Eine Szene aus dem neuen Wintervarieté-Programm „Sông Trang“. Quelle: Foto: Wilde
Anzeige
Hannover

13 Artisten aus einer Zirkusschule im vietnamesischen Hanoi hat das GOP-Team nach Hannover geholt. Regisseur Knut Gminder (52) lädt ein zu einem Brückenschlag der Kulturen, archaisch und anrührend. Der Abend erzählt auch von der Macht des Kollektivs, von den wilden Straßen Ha­nois, von jugendlicher Kraftmeierei.

Doch vor allem am An­fang überwiegen Naturbilder: Bodenartistik zu schwappenden Wellen, der Mond als artistische Luftnummer, Frösche, ein Raubvogel, Handstandakrobatik im Blütenmeer. „Sông Trang“ heißt eben so viel wie „Wenn der Mond sich im Fluss spiegelt“.

Anzeige

Die Bühne ist spartanisch, hinten ein weißes Tuch, davor Bambusgerüste in 1001 Konstellationen, Hüte und Fischerkörbe als Requisiten. Die feine Lichtregie und der vom hannoverschen Musiker Christian Decker (46) bearbeitete fernöstliche Soundtrack verwandeln sie in ein Reich des Staunens. Der Blick weiß kaum, wo er sich fangen soll bei diesem opulenten Überfluss. Fremdartige Bilder von universeller Gültigkeit, kraftstrotzend und doch ganz zart und poetisch inszeniert.

Hier hat niemand nur seine eine Paradenummer; hier scheint jeder alles zu können, von Luftakrobatik über Seiltanz bis zur Jonglage. Immer sind alle Akteure da, auch füreinander da. Und schwebt jemand zum Himmel, betreibt sichtlich Menschenkraft die Seilzüge. „Sông Trang“ ist auch eine sehr ehrliche Show.

Und es ist eine Aufführung der Liebe: Hier vollführen nicht einfach nur zwei Körperkünstler eine atemberaubende Luftakrobatik-Nummer; sie umtänzeln einander dabei wie Begehrende. Und Liebe, auch das erzählt „Sông Trang“, verleiht immer Flügel.

 

Von Stefan Gohlisch