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Kultur William Fitzsimmons zelebriert die Traurigkeit
Nachrichten Kultur William Fitzsimmons zelebriert die Traurigkeit
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13:19 30.05.2019
Verarbeitet seine Gefühle: William Fitzsimmons bei seinem beeindruckenden Konzert im Capitol.
Verarbeitet seine Gefühle: William Fitzsimmons bei seinem beeindruckenden Konzert im Capitol. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Im Capitol ist es dunkel und leise. Eine Stimmung fast wie in einer Bar in einem US-amerikanischen Independentfilm, als William Fitzsimmons, Folk-Sänger mit Vollbart, Brille und Halbakustikgitarre, seinen ersten Song „Everything has Changed“ ins Mikrofon haucht.

350 Fans sind da und halten still, zumindest, solange Fitzsimmons und sein musikalischer Partner und Produzent Adam Landry ihren grazil-wehmütigen Folk spielen: Musik, die die Stille als Instrument verwendet und aus der man die Weite der USA fast heraushören kann – der Singer-Songwriter legt hier auf Tour seine Gefühlswelt offen und vertraut seinen Zuhörern intime Dinge an.

Einen Suizidversuch hat er hinter sich, den Kampf mit der Depression trägt er noch aus, all das erzählt er in ruhigen Ansagen, die er immer wieder mit deutschen Wörtern spickt. Und mit viel Galgenhumor: Während der Aufnahmen seiner Band im eigenen Heimstudio fing seine Frau ein Verhältnis mit dem Drummer an – „und sie haben mir nichts davon erzählt!“

Statt Anklage gibt es ehrliche Verarbeitungssongs wie „Angela“ und „Just Not Each Other“, der Beifall danach bleibt stets lauter als die Musik zuvor.

Zu „Ready the Astronaut“ tönt der Juno-Synthesizer weltraumartig, ansonsten beschränken sich Landry und Fitzsimmons auf Gitarren, Stimmen und ein paar Effekte, mit entwaffnender Wirkung. „Never Really Mine“ deutet eine Pop-Melodie an, viele Besucher kennen Fitzsimmons‘ Lieder aus Serien wie „Grey’s Anatomy“ und „One Tree Hill“, wo sie essenzielle (und meist deprimierende) Szenen begleiteten.

„Ich bin 400 Mal geschieden“, ruft der Sänger, ein geschmackvolles Cover von Tom Pettys „Learning To Fly“ deutet an, dass das Gröbste überstanden ist. „Beautiful Girl“ widmet er den zukünftigen Exfrauen im Saal und entschuldigt sich gleich für den Spruch: Das Publikum hat ihm schon längst verziehen, als er die Zugabe „Passion Play“ in ihrer Mitte gibt.

Von Lilean Buhl