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14:41 25.07.2018
Auf der Suche: Ein Mann probiert mti Hilfe eines Schildes, Karten für die Bayreuther Festspiele zu bekommen.
Auf der Suche: Ein Mann probiert mti Hilfe eines Schildes, Karten für die Bayreuther Festspiele zu bekommen. Quelle: dpa
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Bayreuth

Die Bayreuther Festspiele sind ausverkauft, total, restlos und unwiederbringlich – Festspielchefin Katharina Wagner tritt immer mal wieder Gerüchten entgegen, dass die Tickets und damit die Festspiele selbst nicht mehr so sehr gefragt sind. Richtig ist allerdings auch, dass noch kurz vor Eröffnung der Festspiele auf der Homepage der Festspiele Karten ganz offiziell und zum regulären Preis zu bekommen waren. Das sind dann Rückläufer von Besuchern, die Karten ergattert hatten, aber nicht mehr kommen können oder wollen.

Den Festspielen gelingt es, den Schwarzmarkt immer mehr auszutrocknen. Denn der Verkauf über Ebay ist zum Hochrisiko geworden, seitdem die Festspiele ihre Geschäftsbedingungen geändert haben, die jeden Weiterverkauf von Online-Tickets zu einem höheren Preis verbieten, was jeder Käufer mit dem Kauf automatisch akzeptiert – und ein großes Bayreuther Anwaltsbüro hat eine lukrative Einnahme durch stapelweises Verschicken von Abmahnungen erschlossen. Da muss man dann schon aufpassen, dass man nicht einen halben Tausender plus die Tickets los ist. Und wenn man sie schon bei Ebay vertickt hat, muss man den Verkauf auch noch rückabwickeln.

Also lieber selber auf dem offiziellen Wege versuchen. Die Chancen, eines der 40 000 Tickets zu ergattern, sind relativ hoch, wenn man keine besonderen Wünsche hat, denn gut ein Viertel müssen laut einer Verfügung des Rechnungshofs online angeboten werden. Die Festspiele arbeiten auch an einer neuen Preisstruktur, wie es Geschäftsführer Holger von Berg angekündigt hat, statt der bisherigen Staffelung in unübersehbare 44 Kategorien soll es ab nächster Saison nur noch zehn geben (zehn bis 320 Euro).

Wer es ein bisschen stressfreier haben möchte: Die „Lohengrin“-Premiere wird in 130 Kinos übertragen, der Eintritt ist zwar happig (um die 40 Euro), dafür sitzt man besser als im Festspielhaus im gut gepolsterten Kinosessel, alles schön klimatisiert, zeitversetzt und ohne die einstündigen Pausen, und dank bewährter Kameraführung mit bester Sicht und annehmbarem Sound. Und das nicht nur in Hannover, sondern auch vor Ort im Bayreuther Cineplex. Allerdings ist durch die weltweite Übertragung die Aura des Geheimnisvollen, das die Aufführungen auf dem Grünen Hügel einst umgab, nicht einmal rudimentär mehr vorhanden.

Und wenn es einem sowieso nur um die Musik des Meisters geht: Am Festspielhaus parken, Smoking anziehen, Bayern 3 im Autoradio mit der Live-Übertragung laufen lassen, die Klimaanlage an und in der Pause sich unter das Premierenpublikum mit Angela Merkel mischen – günstiger ist echtes Bayreuth-Feeling nicht zu haben.

Von Henning Queren