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Kultur Von Goisern wärmt die Nordlichter
Nachrichten Kultur Von Goisern wärmt die Nordlichter
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18:45 12.03.2012
Bock auf Party und gute Stimmung: Hubert von Goisern im Capitol. Quelle: Hagemann
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Hannover

Vordergründig ist es viel Humtahumta, aber dahinter steckt ein findiger Kopf. 59 Jahre ist Hubert von Goisern schon, und immer noch zieht der Jodelrocker die Massen an. Auch im Norden. 1300 Menschen füllten jetzt das Capitol Hannover. Dem Österreicher aus dem kleinen Ort Goisern gelingt ein merkwürdiger Spagat. Mit seinem jüngsten Hit "Brenna tuats guat" schaffte er es auf Platz 1 der österreichischen Charts und sogar in die deutschen Singlecharts. Und er landete auf diese Weise ganz sicher in den Lautsprechern an den Schirmbars in vielen Skigebieten, wo Schunkeln nie aufgehört hat, schick zu sein.

Es lohnt sich jedoch genauer hinzuhören. Von Goiserns Texte sind von feiner Natur, mal Liebeslied, mal Gesellschafts- und mal Politikkritik, poetisch verbrämt, leider im Capitol kaum zu verstehen wegen des Dialekts und schwieriger akustischer Verhältnisse. Welch ein Glück, dass viele im Publikum die Refrains ihrer Lieblingslieder auswendig kennen und sich nicht lange bitten lassen, das zu demonstrieren.

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Auch wenn der multiinstrumentale Österreicher nicht musiziert oder singt, hört man ihm gern zu (und versteht ihn dann sogar). Es gibt so viel zu erzählen über seine erste Blaskapelle und den Rausschmiss, weil er schon damals die Klappe nicht halten konnte. Gern schwadroniert er über all die Heiligen und was die Menschen sich von ihnen erhoffen – von St. Clemens bis zu St. Michael. Über die Marotten der "Überobertransösterreicher" und der Hannoveraner, die sich nicht darüber einigen können, ob der Fluss, der auch während des Konzerts am Capitol vorbeiwabert, nun die Ihme oder die Leine sei. Wobei das Capitol ja doch eher am Ihme- als am Leine-Zentrum liegt.

Hubert von Goisern lässt sich von Song zu Song ein anderes Instrument reichen. Allen voran das Akkordeon, die Gitarre, das Keyboard, mal die Mundharmonika und auch mal die Klarinette. Letztere setzt er gern für geschmeidig-jazzige und bluesige Klänge ein. Schön ist es, wie er Hoagy Carmichaels gutes altes "Georgia on my mind" ins Goisernsche umdichtet. Ein Heimatlied von einem, der auszog in die Welt und doch der österreichischen Volksmusik ernsthaft treu geblieben ist.

Ein junges Trio unterstützt ihn dabei, Alexander Pohn am Schlagzeug, Helmut Schartmüller am Bass und Severin Trogbacher, der seinen Gitarren eingängige Solomelodien abringt und bei Bedarf auch ordentlich abrockt. Auf dem Programm stehen Goisern-Songs von früher und vieles vom neuen Album "Entwe-derundoder". "Nit lang her", "Weit weit weg", "Lebwohl", "Neama Bäng" und vieles mehr – neben etlichen Hymnen auch Volksmusik, die unvermeidlich Schützenzeltassoziationen weckt und doch von Herzen kommt. Am Schluss gibt es nach einigen Zugaben noch einen A-cappella-Jodler zu viert.

Einen "herzerwärmenden Abend" nennt Hubert von Goisern sein Gastspiel. Passt scho.

Karin Vera Schmidt