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Kultur Vivaldi erstrahlt orientalisch
Nachrichten Kultur Vivaldi erstrahlt orientalisch
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13:13 29.07.2018
StimmungsVOLL: In der Christuskirche gibt’s Vivaldi mit orientalischer Note.
StimmungsVOLL: In der Christuskirche gibt’s Vivaldi mit orientalischer Note. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Zu dieser Jahreszeit im Konzert Vivaldis „Sommer“ zu spielen – nicht sehr originell? Kommt drauf an: Eine Version mit der Langhals-Laute Buzuq ist gewiss eine Besonderheit. Und überhaupt bot das Ensemble „Musica Alta Ripa“ in der Christuskirche unter dem vieldeutigen Titel „Verwandlung“ eine eigenwillige Mischung von Musik aus Okzident und Orient.

Denn das Barockorchester erweiterte sein Spektrum diesmal mit Klängen der besagten Buzuq, gespielt von Mevan Younes, Mitglied des Syrisch-Arabischen Nationalorchesters, während für die Perkussion Hogir Göregen zuständig war, in Istanbul aufgewachsen und seit 2013 in Berlin ansässig.

Er eröffnete das Konzert mit einem improvisierten, feinsinnigen Solo, das effektvoll auf den Treppen des Zuschauerraums begann und auf der Bühne abgeschlossen wurde. Anschließend hätte man im braven Wechsel das Instrumentarium aus West und Ost zu Gehör bringen können, doch der Ansatz war ein anderer. So mischten die Gastmusiker bei den Vivaldi-Stücken, die den roten Faden des Programms bildeten, in wechselnden Besetzungen munter mit. Dabei entwickelten sich unterschiedliche Qualitäten: Göregen gab der Barockmusik einen interessanten Kick, manchmal wurde es fast fetzig; beim Einsatz der Buzuq wiederum klang die Sache besonders rund.

Höhepunkt des Abends war Younes‘ Eigenkomposition „Dengvedana wan“. Hier bildeten Buzuq und Orchesterinstrumente eine Synthese der höchst speziellen Art, kam im Zusammenspiel von Klangfarben und Skalen tatsächlich etwas ganz Neues zustande – sehr spannend.

Die etwa 250 Besucher zeigten sich hörbar animiert. Und klatschten eine Zugabe in Form eines kurdischen Tanzes heraus, die sich als hinreichend temperamentvoll erwies, um auf das draußen inzwischen aufgezogene Gewitter einzustimmen.

Von Jörg Worat