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Kultur Vier neue Ausstellungen im Wilhelm-Busch-Museum
Nachrichten Kultur Vier neue Ausstellungen im Wilhelm-Busch-Museum
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18:16 15.05.2009
Bombig: Der Papst, gezeichnet von Greser & Lenz. Die Karikatur ist im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover zu sehen.
Bombig: Der Papst, gezeichnet von Greser & Lenz. Die Karikatur ist im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover zu sehen.
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Von Henning Queren

Hannover. Er ist so urbayerisch, aber lachen kann über ihn und seine glanzvolle Geistlosigkeit ganz Deutschland. In seiner Hauptschau präsentiert das Busch-Museum den dürren Dadaisten Karl Valentin als „Medienpionier und Medienhandwerker“, zeigt viele seltene Requisiten, Fotos, Filmausschnitte aus dem Nachlass. Zum Mithören seine herrliche Telefonnummer von 1946: Am Bakelit-Hörer merkt man, wie wenig sich durch die Erfindung der Call-Center geändert hat am telekommunikativen Irrsinn.

Wunderbar die computerisierte Wiederbelebung des „Panoptikums“, das Valentin in den 30er Jahren eingerichtet hat – per Fingerzeig gehts auf animierten Schwarzweißfotos in den legendären „Grusel- und Lachkeller“.

Nun kann man sich wundern, wieso Karl Valentin (noch einmal zum Nachsprechen: „Ffffalentin“) in einem Museum für gezeichnete Karikaturen auftaucht. Er war halt eine lebendige Karikatur, so Museumsdirektor Hans Joachim Neyer: „Valentin hat seine dürre Figur systematisch als Logo eingesetzt. Das war ein ganz moderner Gedanke.“

Im Doppel

Und dass zeitgemäßer Humor doch ganz anders, weniger grotesk und trotzdem härter funktioniert, zeigt ein Stockwerk höher „Hurra, die Krise ist vorbei“ mit dem Zeichner-Duo Greser & Lenz, das seine Arbeit unter das Motto „Jeder Krieg hat seine Opfer, das Gleiche gilt für den guten Witz“ gestellt hat. Die 250 teilweise ziemlich bösen Blätter werden in edlem Rot und Grau präsentiert wie feinste Grafik. Zu Recht, wenn man sich manche der Arbeiten anschaut, die über die Tagespolitik hinausreichen, wie die fein gearbeiteten Tierzeichnungen: Herausragend dabei das kleine puschelige Adlerkind, das kaum den Wurm im Schnabel tragen kann, mit dem es den großen Adler füttern will, der wegen seines Alters hilflos im Nest liegt.
Bekannt und auch lange hinterher noch lustig sind die Auslassungen zur weiteren Tagespolitik. Schröder wird dabei immer gern genommen. Und der Taliban. Was kriegen eigentlich weibliche Selbstmordattentäter im Paradies? „70 junge Knackärsche mit Dauerständern.“ Okay, aber zeichnerisch ist es ziemlich gut gemacht.

Auf gehobenerem Niveau sind manche der Blätter der Schau „Der Geist des Geldes“, eine Karikaturen-Sammlung über die Macht und den Verderbnis bringenden Charakter von gebündeltem Baren, die sinnigerweise die Aareal-Bank in Wiesbaden zusammengetragen hat. Mit immerhin erlesenen Zeichnungen von Daumier, Sempé, Ronald Searle und Horst Haitzinger: Banken und Börsen, die Welt der großen und kleinen Vermögen, der Habenichtse und der gehobenen Sinnlosigkeit allen Besitzes werden hier thematisiert.

Affe mit Flasche

Der Ausstellungsparcours schließt mit einer überraschenden, weil vergleichsweise ernsthaften Schau von und über Wilhelm Busch und sein Verhältnis zu Charles Darwin. Titel: „Zoologia Comica“. Busch hat Darwins Lehre sehr geschätzt, ein wenig davon ist auch in seine Kunst eingeflossen. Wie beispielsweise bei „Fipps der Affe“, der komplett in einem Raum mit einem ausgestopften Artgenossen präsentiert wird, der sich an einer Bierflasche gütlich tut.
Bewertung: 4/5.

Eröffnung aller vier Ausstellungen am Sonntag ab 11.30 Uhr mit Frühlingsfest (Venusbrass, Greser & Lenz signieren). Kataloge sind zu Karl Valentin (19,90 Euro) und zu Greser & Lenz (18,90 Euro) erschienen. Eintritt: 4,50 Euro.