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Kultur Vater des kleinen Maulwurfs gestorben
Nachrichten Kultur Vater des kleinen Maulwurfs gestorben
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16:58 01.12.2011
Der kleine Maulwurf ist mit Charme, Neugier und Schaufel in mehr als 80 Ländern der Welt zu einem Fernsehliebling geworden. Der Kinder-Star stammte aus der Feder von Zdenek Miler, der am Mittwoch in Tschechien gestorben ist. Quelle: dpa
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Prag

Als der kleine Maulwurf vor mehr als 50 Jahren zum ersten Mal über die Fernsehschirme der Tschechoslowakei flackerte, eroberte die charmante Figur im Handumdrehen die Herzen der Zuschauer. Generationen von Kindern aus aller Welt haben den glucksenden, schaufelnden und Rakete fliegenden Maulwurf inzwischen liebgewonnen. Sein „Vater“ und Schöpfer, der tschechische Trickfilmer Zdenek Miler, ist am Mittwoch in einem Sanatorium südlich von Prag gestorben. Er wurde 90 Jahre alt.

„Dem einen hätte es ohne den anderen auf der Welt keine Freude gemacht“, schrieb Miler einmal in einem Grußwort an seine kleinen Zuschauer. Auf die Idee für die weltberühmte Zeichentrickfigur ist Miler nach eigenen Angaben auf einem Silvesterspaziergang gekommen. Dabei stolperte er im Wald über einen Maulwurfhügel. Gelöst war damit auch das Problem, dass viele Tiere bereits von Disney verwendet wurden. „Ich wollte eine neue Figur erschaffen, die noch kein anderer gezeichnet hatte“, erinnerte sich Miler.

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Anfangs sprach der Maulwurf noch, später fiepste er. Das erleichterte den Export in alle Welt. Die Töne für ein freundliches „Hallo“ oder staunendes „Oh!“ sprachen Milers Töchter im Kleinkindalter auf Tonband. Als Miler vor neun Jahren die Feder niederlegen musste, konnte er auf mehr als 50 Filme mit dem Maulwurf zurückblicken. Außerdem illustrierte er 40 Kinderbücher, die sich mehr als fünf Millionen Mal verkauften.

„Mit Zdenek Miler verlieren wir nicht nur den Vater des kleinen Maulwurfs, sondern auch einen ganz Großen des Europäischen Trickfilms und einen überaus warmherzigen Menschen“, teilte Monika Piel mit, die Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln, der die meisten Maulwurf-Filme produziert hatte. „Seine Geschichten, die seit fast 40 Jahren in der Sendung mit der Maus laufen, berühren uns heute wie damals gleichermaßen. Viele Erwachsene von heute verbinden mit ihm ein Stück Kindheit.“

Der Maulwurf war aber auch im Osten Deutschlands ein kleiner Star. Wann genau er im DDR-Fernsehen zum ersten Mal aus der Erde kroch, konnte das Deutsche Rundfunkarchiv in Babelsberg am Donnerstag nicht sagen.

In diesem Sommer hatte sich für den „Vater“ des Maulwurfs noch ein großer Traum erfüllt. Im Mai flog US-Astronaut Andrew Feustel mit zwei Plüschfiguren im Gepäck an Bord der Räumfähre Endeavour ins All. Einen der weltraumerfahrenen Maulwürfe überreichte Feustel auf einem Tschechien-Besuch seinem Erfinder. „Das hätte ich mir nie vorstellen können“, sagte der liebenswürdige Miler und dankte es mit einer Zeichnung.

Dank Episoden wie „Der Maulwurf und die Rakete“ von 1965 gilt die Figur in Tschechien als bekanntester „Astronaut“ des Landes. Tschechen sind stolz auf ihre weltberühmte Zeichentrickfigur, die sie „Krtek“ oder auch liebevoll „Krtecek“ rufen. Selbst Staatspräsident Vaclav Klaus wird mit den Worten zitiert, dass ihm die Feinfühligkeit eines kleinen Maulwurfs bei weitem näher sei als die Schroffheit einer Familie Simpson. Zoff à la Tom und Jerry hatte in Milers Filmen keinen Platz.

frx/dpa