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Nachrichten Kultur Vaclav Havel feiert Debüt als Regisseur
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12:29 23.03.2011
Vaclav Havel mit seiner Frau Dagmar am Dienstag in Prag.
Vaclav Havel mit seiner Frau Dagmar am Dienstag in Prag. Quelle: dpa
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Vaclav Havels neuer Film „Abgang“ hat am Dienstagabend in Prag Premiere gefeiert. In seinem Regiedebüt thematisiert der frühere tschechische Präsident die leeren Worthülsen der heutigen Politik. Verschmitzt rief er in den Kinosaal: „Wahrheit und Liebe müssen siegen über Lüge und Hass.“ Denselben Slogan hatte er im November 1989 bei den Massendemonstrationen gegen die kommunistische Führung skandiert.

Havel ist ein Freund des absurden Theaters; leicht absurd fiel auch sein Auftritt aus. „Danke, dass Sie Ihre Handys ausgeschaltet hatten“, sagte Havel zum Publikum nach der Filmvorführung im Kino „Lucerna“. Zuvor war der sichtlich geschwächte 74-Jährige beim Weg auf die Bühne gestolpert. Nach einer schweren Atemwegentzündung hatte Havel erst am Sonntag das Krankenhaus verlassen können.

Der Film „Abgang“ ist ab Donnerstag in den tschechischen Kinos zu sehen. Er basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Havel, das im Jahr 2008 uraufgeführt wurde. Es geht um einen langjährigen Kanzler, der aus dem Amt scheidet und damit Identität und Sicherheit verliert. Hilflos muss er zusehen, wie eine neue, skrupellose Politikergarde die Zügel übernimmt.

Bei tschechischen Kritikern stieß Havels Filmdebüt auf wenig Gegenliebe. „Man kann bestenfalls konstatieren, dass es schlimmer hätte kommen können“, hieß es in der Online-Ausgabe der Zeitung „Dnes“. Vaclav Havel habe sich mit dem Film einen Traum erfüllt, aber ein Denkmal habe er sich damit nicht gesetzt.

Die Regie sei Havel längst nicht so gut gelungen wie das Regieren, meinte die Zeitschrift „Tyden“. Havel mache sich über sich selbst und die tschechische Politik lustig, der Film erinnere aber gefährlich an eine Kommunalsatire.

Im Film müsse man vom Bild ausgehen, hier kommentiere oder illustriere das Bild aber nur den Text, kritisierte der Kulturredakteur des tschechischen Fernsehens CT, Petr Fischer. Positiv beurteilte hingegen die renommierte Zeitung „Lidove Noviny“ den Film: „Havel ist immer ein Original und schwimmt mit Freude gegen den Strom.

dpa