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Kultur Yung Hurn im Capitol
Nachrichten Kultur Yung Hurn im Capitol
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15:58 09.12.2019
Transparente Jacke: Und auch sonst ziemlich ironiefrei, Yung Hurn ist jung und gut im Capitol.  Quelle: Foto: Wallmueller
Hannover

Viele Rapper haben Fans, kaum welche einen eigenen Fangesang. „Danke, Yung Hurn, Du bist der Beste“, geht der Chant der Wiener Sprechgesangs-Koryphäe, immer wieder angestimmt von den 1500, die für ihn ins Capitol gekommen sind.

Yung Hurn trägt eine transparente Regenjacke überm nackten Oberkörper, durch die man die Tattoos erkennen kann: „1220“ steht da groß, die PLZ des Heimatbezirks Donaustadt. Das Pult seines DJs Acoid schwebt auf einer aufgepusteten Gummi-Wolke, sofort geht’s in die wunderliche Welt des Cloudrappers: „Ferrari“ klingt konventionell, doch schon bei „Bist Du Alleine“ wird es gefühlig – Emotion und Kitsch, die man sich im 2019 im Deutschrap erlauben kann, hat Yung Hurn mitverantwortet.

2015 kam er in die Hip Hop-Szene, charismatisch und mit textlicher Affinität zu Betäubungs­mitteln – eine Art Cloudrap-Falco, komplett mit Wiener Dialekt und lakonischem Humor.

Durch musikalische Mitstreiter aus dem Berliner Label Live From Earth, aber auch MC-Kollegen wie LGoony sollte das eine Ära begründen, in der Message und Silbenkunst hinten anstehen – über basslastige, verstrahlte Südstaaten-Beats wird mit Autotune-Effekt einfach gerappt, was sich gut anhört, und eine ganze Generation singt mit: „Baby, wenn Du willst, dann wird‘ ich Opernsänger, nur für Dich und Deine Eltern“, singt das Capitol heute, Ironie ist da nicht im Spiel, sondern eher wahre Liebe.

Cloudrap ist normalerweise studiolastig, ohne Playback kommen wenige Künstler aus, die Konzerte sind meist in einer Stunde vorbei. Yung Hurn rappt live, und das bis in den späten Abend: Einen ganzen Karriere­rückblick spielt der Rapper, fast kein Songwunsch bleibt unerfüllt. Eine Hymne an den koksenden Skispringer „Andi Goldberger“ bringt er unter, in „Blumé“ geht es um junge Liebe in einer elterlichen Altbauwohnung, „Cabrio“ und „Fick die Polizei“ behandeln Themen, die der Rap seit langem kennt – trotzdem ist es Deutschrap-Außenseitertum, was Yung Hurn und Fans zelebrieren.

Nicht alle halten die andauernden Moshpits und steigenden Tempera­turen bis zum Ende aus – Handys fallen zu Boden und Fans in Ohnmacht, an einem Dutzend Slogans schreien sich alle heiser: „Bianco“ war Rap-Sommerhit 2016, „Rauch“ besingt Wiener Winter. „Ihr müsst ein bisschen mehr abgehen“, fordert Yung Hurn und startet seine Zugabe neu.

Für „Ponny“, seine neueste, fast klamaukige Single, werden letzte Kraftreserven angezapft, danach schwoft das Capitol in die Nacht: mit dem Softpop-Song „Diamant“.

Von Lilean Buhl

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