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Kultur „Was ihr wollt“ in der Staatsoper Hannover
Nachrichten Kultur „Was ihr wollt“ in der Staatsoper Hannover
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16:14 09.12.2018
Alles im Karton: Stefan Adam (Sir Toby Belch, von links), Brian Davis (Malvolio), Julia Sitkovetsky (Maria).
Alles im Karton: Stefan Adam (Sir Toby Belch, von links), Brian Davis (Malvolio), Julia Sitkovetsky (Maria). Quelle: Landsberg
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Hannover

Sieht ein bisschen aus wie im Amazon-Lager kurz vor Weihnachten: Kartons, Kartons, Kartons und noch mehr Kartons – bis unter den Bühnenhimmel. Das Bühnenbild ist schon klasse bei „Was ihr wollt“, der aktuellen Produktion der Staatsoper.

Die hat sich die Shakespeare-Vertonung Manfred Trojahn vorgenommen und – was Ensemble, Regie und Orchester betrifft – ansprechend auf die Bühne gestellt. Das ist schon ein kleines Wunder wie Dirigent Mark Rohde, die üppige Partitur zum Klingen, Schimmern und Glänzen bringt. Dazu tolle Sänger, die mit extremen Anforderungen bisweilen an Grenzen geführt werden.

Die Inszenierung (Balász Kovalik) gibt den Akteuren genug Raum für komödiantische Aktionen. Und das ist dann witzig, wenn Shakespeares Helden nicht per Schiffsuntergang auf der seltsam verwirrten Insel stranden, sondern per Gabelstapler im geschlossenen Karton angeliefert werden. Brian Davis darf sich zur Freude des Publikums die nackten Beine gelb anmalen und wie beim besten Boulevard kommen die Edelleute von Illyrien unerwartet aus den verschiedensten Kisten.

„Was ihr wollt“ ist zwei Jahrzehnte alt und immer noch keine der zeitgenössischen Opern, die zwingend auf die Spielpläne drängen. Das sehen wohl auch Teile des Premierenpublikums so und lassen nach der Pause ihre Plätze frei.

Hier wird irgendwie die verwickelte Shakespeare-Geschichte brav nacherzählt – wobei es gut ist, wenn man die trotzdem vorher kennt. Es opert so vor sich hin. Und da hilft es dann auch nur wenig, wenn ein riesiger Mond blutrot das pralle Kartonage-Chaos bescheint, wenn es auf knallt (Feuerwerk) und crasht (wenn die Karton von hoch oben zu Boden sausen).

Und dann kommen wieder diese Passagen, die den Besuch lohnenswert erscheinen lassen – wie das zum Hinschmelzen schöne Duett von Simon Bode (als Orsino) und Ania Vegry (Viola). Und dazu dieses Orchester mit feinherben klanglichen Reizen: Mangelnde Metierbeherrschung kann man Manfred Trojahn nicht vorwerfen.

Der Meister kommt dann zum doch reichlichen Schlussapplaus auf die Bühne, wird entsprechend gefeiert – und Manfred Trojahn bedankt sich für den ansprechenden Einsatz beim gesamten Ensemble.

Von Henning Queren

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