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Kultur „Unorthodox“ in Cumberland
Nachrichten Kultur „Unorthodox“ in Cumberland
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16:18 27.01.2019
Aufregend in Cumberland: Susana Fernandes Genebra (links) und Lena Sophie Vix in „Unorthodox“.
Aufregend in Cumberland: Susana Fernandes Genebra (links) und Lena Sophie Vix in „Unorthodox“. Quelle: Ribbe
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Ganz eng bedruckt ist das Programmheft, unzählige Gebote und Verbote sind darin aufgelistet. „Dass ein Weib keine Männerkleidung trage“, steht dort oder „Dass eine Frau, welche ihre Periode hat, unrein ist und auch andere verunreinigt“. Es sind die Regeln der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York – Deborah Feldman ist in dieser ultraorthodoxen Umgebung aufgewachsen, hat sie verlassen, lebt mittlerweile in Berlin und hat ein Buch geschrieben, das naheliegenderweise „Unorthodox“ heißt. Und dessen Theaterfassung jetzt auf der Cumberland-Bühne zur Premiere gekommen ist.

Regisseurin Swantje Möller ist ein komplizierter Spagat gelungen: Ein schwerer Stoff kommt hier leicht daher, Tiefernstes wird mit einer gewissen Heiterkeit dargeboten, die aber nicht die Grenze zum Geschmacklosen überschreitet. Schon die Idee, die Texte auf zwei Schauspielerinnen zu verteilen, zündet: Lena Sophie Vix ist dabei so etwas wie eine jüngere Version von Susana Fernandes Genebra, die allerdings selbst auch sehr mädchenhaft wirken kann. Das Duo changiert zwischen Spiel und Erzählung, mal ergänzen sich die beiden, mal bilden sie Harmonien aus und mal Kontrapunkte.

So kann man zunächst eintauchen in eine für hiesige Augen und Ohren höchst befremdliche Welt. In der jiddisch gesprochen wird, das Wort „College“ in den Schulbüchern nur geschwärzt auftaucht, die Auswahl des Bräutigams ohne Mitsprache der Braut stattfindet. Die Farbe Rot in der Kleidung ist verboten, überhaupt: die Kleidung – wie wild zerren die beiden auf der Bühne an ihren tristen Klamotten.

Es gibt mehrere Spielinseln. Die spektakulärste ist ein großer Aufbau an der Stirnseite, der den Schauplatz des rituellen Bades bildet, mit seiner Mauerstruktur aber auch an ein Gefängnis erinnert, durch die Konstruktion wiederum an eine Mischung aus Hamster- und Rhönrad. Als Dritte im Bunde steuert Martina Lenzin live einen Soundtrack aus Stimme und Geräuschen bei – atmosphärisch, sehr eigenständig, aber im Schnitt zu laut: Ein-, zweimal führt ein schockartiger Einsatz dazu, dass sich Besucher die Ohren zuhalten, was nie ein gutes Zeichen ist, und ansonsten könnte zumindest punktuell ein Herunterpegeln subliminaler und damit effektiver wirken.

Am Schluss verlässt eine Darstellerin den Raum in die Freiheit, die andere singt hoch oben auf dem Rad sitzend: „I was born a stranger and a stranger I will die.”

Von Jörg Worat

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