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Kultur Torsten Sträter im Aegi-Theater
Nachrichten Kultur Torsten Sträter im Aegi-Theater
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16:59 11.11.2019
Toller Kaffee-Becher: Torsten Sträter im Aegi-Theater mit dem Programm „Schnee, der auf Ceran fällt“. Quelle: Foto: Villegas
Hannover

„Pathos kommt bei mir nicht“, sagt Torsten Sträter gleich am Anfang seiner Comedy-Lesung. Lustig soll es werden, ein bisschen albern auch, aber die 1200 im ausverkauften Theater am Aegi sollen nicht mit Tränendrüsen-Stories unterhalten werden – sondern mit Sträters im Kern wahren, aber in der Ausschmückung übertriebenen Anekdoten.

Wie sich seine Steuerdokumente, über Monate im Auto gelagert, langsam mit umherfliegenden Gyros-Partikeln vermischten und der „überversicherte“ Sträter später seine beiden Rechtsschutzver­sich­erungen gegeneinander ausspielte – Absurditäten wie diese sind das Kerngeschäfts des Erzählers mit der Schlauchmütze, der neben seinen zwei Kaffeebechern auf der Bühne sitzt.

Das Programm schrieb er diesen Sommer zwischen „einem Motivations- und einem Zeitproblem“ auf Zuckerentzug in einem Kölner Hotel, mittlerweile, sagt er, „stelle ich mehrmals am Tag meine Ernährung um“.

Mittendrin bringt er Reflexionen über Wörter und Redensarten, „Laber-Tourette“ nennt Sträter das, die verschachtelten Geschichten bekommen umso lautere Lacher, je mehr Abschweifungen sich der Comedian gönnt. „Das ist ‘ne Nummer, die ich einfach nicht mehr mache, weil sie albern ist“, sagt er am Ende einer mehrminütigen Abhandlung über „Bares für Rares“, und wie Moderator Horst Lichter diese ZDF-Nachmittagsshow „erotisch auflädt“.

„Ihr müsst mitarbeiten“, fleht der Erzähler und beteuert den Wahrheitsgehalt seines Pro­gramms. Ruhrgebiets-Poesie in Sätzen wie „Reinigungsmittel vom Schlecker in Castrop“ streut er nebenbei ein, einen großen Teil des Programms macht sein 16-jähriger Sohn aus, über den Sträter eigentlich gar nicht mehr reden will. Der „Filius“ will natürlich Influencer werden. „Einflussneh­mer“, sagt der Vater da, „aber auf wen? Das sind doch alles Opfer.“

Sträter ist Quereinsteiger in die Szene, seit etwa 15 Jahren schreibt er Glossen und Poetry Slam-Texte, ist regelmäßig bei Extra3 und Nuhr im Ersten zu sehen. Vorher war er Herrenschneider und arbeitete in „mehr oder weniger stumpfen Jobs“, seine Krankheit, die Depression, thematisiert er offen: Der Abend startet mit einer Anekdote vom Depressionsliga-Kongress – ohne Pathos.

Zumindest bis zum Ende. Da mäandert sich Sträter auf eine Erinnerung zu, die ihn nach Hannover führt, in ein Altenheim, in dem sein ihm unbekannter leiblicher Vater seine letzten Jahre verbrachte. So ist es am Ende des Abends wie im echten Leben: Das Pathos kommt immer ganz ungefragt.

Von Lilian Buhl

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