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Kultur Torfrock im Capitol
Nachrichten Kultur Torfrock im Capitol
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15:46 26.12.2018
Ohne Hörner: Klaus Büchner hat die Melone auf – und beschenkt reichlich bei der „Bagaluten-Wiehnacht“. Quelle: Fotos: Wilde
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Hannover

Wir schreiben die 29. dieser „Bagaluten-Wiehnacht“, die Feier der Kultband Torfrock hat sich über die Jahre vortrefflich etabliert.

Doch erst eröffnen die Ulknudeln von den Wohnraumhelden den Abend: „Ich darf mich vorstell’n, ich bin stoned!“, kalauert Fury-Gitarrist Christof Stein-Schneider. Zusammen mit Fabian und Thomas spielen sie ihre Mischung aus Kirmesmusik und Nonsens-Pop.

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Christof schmückt ein grüner Anzug, Fabian übt sich im Crowdsurfing, er lässt sich zum Tresen tragen und kommt mit drei Bieren zurückgeschwebt. Ein überzeugender Einstieg und einwandfrei „bagaluten-tauglich“.

Doch nun wird „Odin“ angefleht, auch das hat Tradition unter den Zuschauern, gut 1400 haben den Weg am ersten Weihnachtsfeiertag ins Capitol gefunden. „Wir saufen den Met bis keiner mehr steht“, grölen die Torfrocker in ihrem Eröffnungssong „Häuptling rote Locke“.

Raymond Voss, der urige Gitarrist, Bartträger und vor über 40 Jahren Gründungsmitglied Torfrocks, ist heute nicht mit dabei, er ist krank und muss sich schonen. Volker, eigentlich der Bassist der Band, springt für ihn am Sechsaiter ein, dafür hilft Sven Becker nun am Bass aus.

Das klappt prima, und tut dem Torf-Rock keinen Abbruch. Denn Klaus Büchner ist am Start, er bläst in sein Fagott, singt und swingt, und es dauert nicht lange, bis er sein erstes Weihnachtsgedicht rezitiert. Ein norddeutscher Poet. Der Boogie Woogie bei „Willi, die Ratte“ geht in alle Glieder, der Saal rockt – „Vielen, vielen Danke!“ freut sich Klaus, „Vielen, vielen Bitte!“ freuen sich die Fans. Die Rituale sind über die Jahre gleich geblieben – „Bumbadi bum bum!“ heißt die Zauberformel.

Und mit dem „Presslufthammer B-B-Bernhard“ geht es auf „Die Butterfahrt“. „Wir haben einen alten Torfrock-Song ausgegraben, ganz romantisch“, erklärt Klaus. „Liebeslied“ heißt der Song, ist von 1991, und somit etwa halb so alt, wie die Karriere der Band.

Torfrock sind eine der besten Rock ’n’ Roll-Bands Deutschlands, „Great Balls of Fire“ fügen die Deutschrock-Wikinger ebenso stilvoll in ihr Programm ein, wie „Sommertid Blues“ und „Hey Joe“. Traditionals und eigenes Material, Klaus Büchner sieht gut aus, mit dem Bowler auf dem Kopf und dem geschmackvollen, grauen Mantel trägt er seine Gaga-Gedichte vor.

Seine Stimme besitzt diesen prägenden Singsang, die Verse überzeugen mit lustiger Reimen und Rhythmik. Das macht den Unterschied, Schabernack in Höchstform. Ein Wikingerhelm prangt vom Backdrop, ist Logo und Versprechen zugleich, Klaus verkündet „Freie Bahn mit Marzipan!“.

Bei „Beinhart“ und „Volle Granate, Renate“ singt das Publikum lauthals mit, endlich schreien sie mal nicht nach „Odin“.

Die Slide-Gitarre zur Zugabe veredelt ein gutes Set, „Leise rieselt der Schnee“ wird besinnlich-verbindlich, „Let’s wörk togesser“ spielen die Torfrocker dann noch zusammen mit den Wohnraumhelden, „Oh, wie ist das schön!“, skandieren die Fans zur gelungenen „Bagaluten-Wiehnacht“.

Von Kai Schiering

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