Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Takis Würger: „Der Club“ im Schauspiel Hannover
Nachrichten Kultur Takis Würger: „Der Club“ im Schauspiel Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:31 28.06.2018
Europa, Deutschland, Sachsen, Clausnitz. Takis Würger. 01.06.2016 © 2016 Sven Döring / Agentur Focus takis Takis Würger Takis Würger 180629 takis Takis Wuerger Quelle: Sven Doering / Agentur Focus
Anzeige
Hannover

Der Roman „Der Club“ des ehemaligen Hannoveraners Takis Würger (33) war einer der großen Bestseller des vergangenen Jahres. Am 1. September feiert der Stoff, der in die Box-Clubs britischer Elite-Universitäten führt, im Schauspielhaus seine Uraufführung. Wir sprachen mit dem Autor.

Der Roman „Der Club“ beginnt im Deister. Die Uraufführung der Bühnenfassung ist in Hannover. Wie wichtig war Ihnen das?

Anzeige

Es gab verschiedene Interessenten für die Uraufführung. Für mich war klar, dass es nach Hannover geht. Weil das meine Heimat ist und weil ich das Haus gut kenne. Ich bin geehrt, dass sie es hier machen. Und dann wurde ich coolerweise auch noch mit einbezogen. Der Regisseur, Alexander Eisenach, und der Dramaturg, Johannes Kirsten, haben mich in Hamburg besucht. Und es gibt verschiedene Gründe dafür, dass ich ihnen gesagt habe: Bitte, macht es zu eurem Stück.

Nämlich?

Ich verstehe nichts von dem Handwerk, und ich bin immer gut gefahren, den Profis die Arbeit zu überlassen. Außerdem war ich, als die Adaption entstanden ist, mit meinem zweiten Roman beschäftigt, und zwei Stoffe auf einmal hätte ich nicht geschafft. Ich glaube auch, es geht in der Kunst generell darum, dass ein Resonanzkörper im Kopf entsteht, und der wird dadurch, dass ein anderes Team die Adaption macht, enorm erweitert.

Wann sind die ersten Theater auf Sie zugekommen?

Kurz nach Veröffentlichung. Der Literaturbetrieb folgt vor allem der Logik, dass eigentlich alles floppt und nur ganz wenige Autoren das Glück haben, einen Bestseller zu landen. Das sind häufig nicht die besten Bücher; es gibt sicherlich bessere Romane als „Der Club“. Trotzdem war es das erfolgreichste Debüt des Jahres. Jedenfalls: Wenn so ein Stoff funktioniert, dann kommen die Fernsehleute, dann kommen die Filmleute, dann kommen auch die Theaterleute. Dann kam eine Agentur auf mich zu und bot mir an, sich darum zu kümmern, worüber ich sehr froh war.

Wie theateraffin sind Sie?

Ich gehe tatsächlich sehr viel ins Theater. Ich habe auch gerade meine erste Castorf-Erfahrung gemacht – muss aber gestehen, dass ich nach dreieinhalb Stunden, also der Hälfte, meiner Begleitung gesagt habe: „Wollen wir nicht einfach irgendwo etwas essen gehen und zur Party danach wiederkommen?“ Sie war glücklicherweise einverstanden. Und ich war gerade in Wien, in der Burg, und habe dort „Geächtet“ gesehen, ein sensationelles Stück. Ein Freund und ich überlegen sogar, ob wir ein Stück schreiben – inspiriert von „Geächtet“.

„Geächtet“ ist intellektueller Boulevard mit aktuellem Hintergrund ...

Mein Ziel bei „Der Club“ war, mich mit Themen zu beschäftigen, mit denen sich zu beschäftigen ich für wichtig halte, – nämlich sexueller Missbrauch und der Umgang mit Eliten – und zugleich zu unterhalten. Wenn sich die Gesellschaftskritik wie in einem Trojanischen Pferd ins Hirn schleicht, finde ich das toll. Und das finde ich auch toll im Theater.

Wie ging die Arbeit an der Bühnenfassung weiter?

Viel in dem Buch dreht sich ums Boxen an Elite-Unis. Alex, der Regisseur, ist im Plattenbau aufgewachsen; für den ist das eine ganz andere Welt. Also habe ich ihm gesagt: „Hast du nicht einmal Bock mitzukommen, wenn Oxford gegen Cambridge boxt und mit mir und meinen Jungs mitzufeiern?“ Und er hat’s gemacht. Wir haben uns eine richtig wilde Nacht um die Ohren gehauen. Für mich war es lustig. Für ihn war es Arbeit. Da habe Ich auch gemerkt, mit was für Profis ich es zu tun habe.

Sie haben über das Hörbuch gesagt, es habe dem Roman mehr Tiefe gegeben. Was erwarten Sie von der Bühnenfassung?

Beim Hörspiel habe ich das erste Mal gedacht: „Mensch, das klingt ja richtig professionell!“ Was absurd ist, wenn man einen Bestseller geschrieben ist. Für mich ist es immer noch der Text, den ich in einem Café in Wien geschrieben und meiner Mutter geschickt habe, und Mutter meinte: „Hm. ich bin mir nicht so sicher ...“ Und wenn große Schauspieler und ein bekannter Regisseur und ein Weltklasse-Dramaturg das in die Hand nehmen, bekommt es automatisch den Anstrich des Professionellen (lacht). Mir fällt es immer noch schwer, mich Schriftsteller zu nennen, und ich neige normalerweise nicht zu Bescheidenheit.

Der Roman entstand direkt nach Ihrem Studienjahr in Cambridge. Was war die Initialzündung?

Ich habe in Cambridge Sachen erlebt, die mich fasziniert haben und die mich abgestoßen haben. Diese Mischung macht für mich diesen Ort aus. Ich dachte, es ist ein Milieu, in dem man eine interessante Geschichte erzählen kann. Entstanden ist er letztlich auf einem dreimonatigen Roadtrip durch Europa, bei dem ich die Personen entwickelt habe. Ich hoffe, das merkt man, dass der Roman, obwohl er hart geplottet ist, organisch gewachsen ist. Und die Frage, die sich anschließt, ist natürlich: Ist es wahr? Nein, es ist nicht wahr.

Sondern?

Ich habe mich meiner Fähigkeiten als Reporter bedient und Figuren an die Wirklichkeit angelehnt. Der Billy zum Beispiel ist meinem besten Freund aus Cambridge sehr ähnlich – der heißt auch Billy. Die Boxtrainer habe ich aus meinen tatsächlichen Boxtrainern zusammengebaut.

Inklusive des Ex-Knackis?

Ja. Meiner hatte Schwierigkeiten mit der Justiz, weil er Schallplatten gefälscht hatte. Der hatte immer Angst, dass er nach Mexiko flüchten muss, weil er von dort nicht ausgeliefert würde.

Die Figur des Hans hat einige Überschneidungen mit Ihrer Biografie ...

... beginnend mit dem ersten Satz und dem Deister, in dem ich auch aufgewachsen bin. Wir beide boxen. Katholische Schule – ich bin auf die St.-Ursula-Schule gegangen. Und dennoch merkt man, glaube ich: Ich bin nicht der zarte, schüchterne Typ wie er. Manche Leserinnen verwechseln uns. Manchmal wäre ich vielleicht gerne wie er. Ich bewundere an ihm, dass er so schön leise ist. Das gelingt mir nicht so gut.

Was wissen Sie von der Inszenierung?

Nichts. Und das ist gut so, denn so bin ich sehr entspannt. wenn ich involviert bin, auch nur ansatzweise, fühle ich mich auch verantwortlich. So habe ich das Gefühl, der Stoff ist in guten Händen, und kann mich einfach auf die Premiere freuen und darauf, mich flashen zu lassen. Es sind halt die Besten. Und wenn ich am Ende nicht einmal merke, es ist „Der Club“, dann habe ich doch einen guten Abend gehabt. Rock’n’Roll!

Von Stefan Gohlisch

Kultur Junger Tanz in hannover - Choreography 32 im Aegi
26.06.2018
Kultur 88. Herbstausstellung des Kunstvereins - Kunstpreis für Dieter Froelich
25.06.2018
24.06.2018