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Nachrichten Kultur So war das Sting-Konzert auf der Expo-Plaza
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22:17 06.06.2019
Sting begeistert 10.000 Zuschauer auf der Expo-Plaza in Hannover. Quelle: Samantha Franson
Hannover

„Message in a Bottle“ eröffnet das Set. Eine Flaschenpost aus der Vergangenheit, das passt. Eine Legende ist auf die Expo-Plaza gekommen. Sting, 67 Jahre alt, seit einem halben Jahrhundert im Geschäft.

Die alten Lieder klingen neu

Es ist ein Blick zurück nach vorn, auch oder gerade weil wenn – von der Shaggy-Kollaboration „Waiting for the Break of the Day“ abgesehen – kein Lied des Abends jünger ist als 20 Jahre: „Brand new Day“ stammt ebenso vom gleichnamigen 1999er-Album wie „Desert Rose“.

Sting singt auf der Expo-Plaza in Hannover

Aber sie klingen neu: Sting hat die alten Lieder gerade erst auf seinem „My Songs“-Album einer sanften, mitunter arg sanften Generalüberholung unterzogen. Wer es dem einstigen New-Wave-Rüpel Sting schon damals übelnahm, als er auf Solopfaden zum feinen Herr Gordon Summers und zum „Englishman in New York“ mutierte, wird über dessen jazzige Neuinterpretation darauf kaum glücklich sein. Jenen Kritikern haut er an diesem Abend wie eine Maulschelle ein wuchtiges Schlagzeugsolo um die Ohren.

Lieder von unfassbarer Nähe

Eine Rockbesetzung steht da auf der Bühne, neben Sting am Bass noch Gitarren und Schlagzeug, dazu Keyboards, Background-Gesang und Mundharmonika. Die alten Lieder heben ab, wuchtig und doch zart. Und die Virtuosität der siebenköpfigen Band lässt vergessen, wie komplex die Arrangements inzwischen sind, wie sich hier Rock, Funk, Soul und Weltmusik zu einem größeren Ganzen schichten. „How fragile you are“ – wie wahr. Und wie zart die „Fields of Gold“ ausgebreitet werden – anbetungswürdig. Lieder von unfassbarer Nähe.

Lesen Sie hier: So rockig war das Kiss-Konzert auf der Expo-Plaza

Wer jemanden liebt, lässt ihn machen, lässt ihn frei: „If You Love Somebody Set Them Free“ ist eben eine würdevollere Reaktion, als ewig „So Lonely“ zu krähen. Und hier spielt immerhin ein Musiker, bei dessen erstem Auftritt als Schauspieler (im The-Who-Film „Quadrophenia“) es schon ums Erwachsenwerden ging, um die Differenz von Selbst- und Fremdwahrnehmung, mit der man sich irgendwann arrangieren muss.

Sting füllt die ganze Plaza

Gut sieht er aus, in seinem schwarzen Shirt, drahtig, charismatisch, mit sich im Reinen. „Sexy“, sagt die Dame nebenan. Ja, so kann man altern. Die unverkennbare Stimme hat sich ohnehin ihren jugendlichen Rotz bewahrt und nur an Nuancen gewonnen. Sting füllt mit ihr problemlos die ganze Plaza, ist selbstironisch, kokettiert auf Deutsch: „Alles klar? Alles gut?“ Aber ja doch.

Die Jahre haben jedem Schmerz den Stachel genommen. Etwa die Hälfte des Programms stammt aus Police-Tagen, als Sting und seine Kollegen Andy Summers und Stewart Copeland dem Wave mit Reggae Beine machten. „Every Little Thing She Does Is Magic“, „Walking on the Moon“, „Roxanne“ ... Alle dabei. Aber in neuem Gewand. Es ist ein reifes Konzert, für ein reifes Publikum, die Inszenierung zurückhaltend, wirkungsvoll, die Lichtregie magisch. Was für ein Unterschied zur grandiosen Kindsköpferei vom Vorabend, als auf der Plaza Kiss spielten. 10.000 Menschen sind da, auf dem Areal, welches das Zweieinhalbfache fasst. Den Rest füllt die Musik.

„Can’t Stand Losing You“, die erste Police-Single vom August 1978 eröffnet die Zugaben, die ausschließlich aus Police-Stücken bestehen und mit „Next to You“ enden. Da wird einem noch einmal klar, wie lange einen diese Stücke schon begleiten, wie viel sie seinem bedeuten und wie es sie fortzieht an immer neue Gestade. Wie eine Flaschenpost aus der Vergangenheit.

„Für mich ist das Konzert wie eine absolute Zeitreise“

Für Fury-Schlagzeuger Rainer Schumann ist das Sting-Konzert eine Zeitreise. Quelle: Cvjetkovic

Fury-Schlagzeuger Rainer Schumann: „Für mich ist das Konzert eine absolute Zeitreise. Nicht viel Brumborium, Musik pur und eine geile Band.“

Für Angelika und Jürgen Wache ist es das erste Open-Air-Konzert des Jahres. Quelle: Cvjetkovic

„Uns gefällt die ehrliche Musik, er ist in jeder Hinsicht politisch korrekt, bedient vielfältige Genres“, sind sich Volksbank-Chef Jürgen Wache und seine Gattin Angelika bei ihrem ersten Open-Air-Konzert des Jahres einig. Sie ergänzt: „Die Stimme ist unglaublich schön.“

Von Stefan Gohlisch

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