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Kultur „Scope“ zeigt Fotos in Hannover
Nachrichten Kultur „Scope“ zeigt Fotos in Hannover
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00:21 25.05.2018
Anderer Blick auf die Welt: Die Fotokünstlerin Sanne de Wilde nennt ihr Bild „Die Insel der Farbblinden“ – und wir anderen können das blau-rosa Wunder in voller Pracht erkennen. Zu sehen in der Scope-Galerie (Calenberger Straße 12).
Anderer Blick auf die Welt: Die Fotokünstlerin Sanne de Wilde nennt ihr Bild „Die Insel der Farbblinden“ – und wir anderen können das blau-rosa Wunder in voller Pracht erkennen. Zu sehen in der Scope-Galerie (Calenberger Straße 12).
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Hannover

Das amerikanische „In your Face“ beschreibt Eindrücke, die ganz unmittelbar wirken. Direkt ins Gesicht und dann ins Hirn, so geht es auch mit den Fotos, die die aktuelle „Scope“-Schau unter diesem Titel bietet – Hannovers feine, eigenwillige Fotografie-Biennale, die 2016 gestartet ist und jetzt wieder in verschiedenen Galerien, im Kubus und im Sprengel Museum zu sehen ist.

Zu den größten Arbeiten der Schau gehört die Wandtapete von Doug Rickard (im Kubus). Unzählige Fotos sind auf etlichen Meter ausgebreitet, eine Ordnung ist erst einmal nicht erkennbar. Brutal wirkt manches, rätselhaft anderes. Der Künstler hat die Bilder bei Youtube gefunden und zu einem Wallpaper mit dem schönen Titel „National Anthem“ vereint. Nur spielt diese Nationalhymne eine ziemlich düstere Melodie – passend zum gegenwärtigen Amerika.

Das Besondere an diesen Fotos ist der Rösselsprung vom Digitalen übers Analoge an den Wand und dann am Ende der Ausstellung in den Müll, denn dann wird diese Wandtapete einfach abgerissen. Die digitalen Fotos sind übrigens auf echten Film vom Bildschirmabfotografiert worden.

„Scope“ geht mit der Fotografie auch in den Außenraum. Spektakulär ist die Arbeit von Nils Petter Löfstedt und Erik Vestman im Maschteich, die sich an einem Stück schwarzer Romantik versuchen. Die beiden Schweden versenken ein Foto einer Frau im weißen Kleid im Wasser, gerade noch sichtbar. In Schweden hatten sie das mal gemacht, und Passanten riefen die Feuerwehr, weil sie an irgendeinen Suizid dachten. Am Maschpark stimmt der Platz, wegen der vielen Hochzeitspaare, die sich mit dem Rathaus im Hintergrund ablichten lassen. „Das hatten wir aber nicht gewusst“, so Löfstedt.

Reduziert sind die schwarzweißen Fotos von Henrik Malmström, der im Hamburger Viertel St. Georg die Kamera aus dem Fenster gehalten hat und diverse Frauen fotografiert hat – Anlass war das Kontakt-Gesetzt in Sachen Prostitution – und hier sieht man bisweilen nicht, ob es eine Prostituierte ist oder eine Oma, die ihre Einkäufe nach Hause trägt. Fotografie ist eben nie eindeutig.

Aber kann richtige Wunder vollbringen – Farbwunder, wie die prächtige rosa-blaue Inszenierung in der Scope-Galerie beweist.

Die Themen der meist jungen Fotografen sind zeitgerecht, reichen von Gender und Sexualität über Digitales, Medien bis zu den Verwerfungen der Migrationsströme – wie die Fotos von Michael Danner, der ganz nah an der Reportage zerknüllte Rettungsdecken und Not-Zelte fotografiert hat (Galerie vom Zufall und vom Glück).

Ein Shuttle fährt zu den verschiedenen Ausstellungen. Bis 30. Juni. Katalog: 96 Seiten, 19 Euro.

Von Henning Queren

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