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Kultur Schüler im Kunstverein machen Herbstausstellung
Nachrichten Kultur Schüler im Kunstverein machen Herbstausstellung
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17:10 21.09.2018
Brille auf für die Kunst: Thomas Keller, Schulleiter der Robert-Koch-Realschule im Kunstverein Quelle: . Foto: Wallmüller
Hannover

Museumskunst sollte für niemanden ein blinder Fleck bleiben – und doch ist es ziemlich schwierig, Jugendliche in die Ausstellungen zu bekommen. Eine innovative Lösung haben der Kunstverein Hannover und die Robert-Koch-Realschule Langenhagen ausgearbeitet: Hier konnten 56 Schüler und Schülerinnen eine virtuelle Exposition kuratieren, gekoppelt an die 88. Herbstausstellung des Kunstvereins.

Kurator Sergey Harutoonian, der für die gezeigten, realen Exponate zuständig war, ruft bei der vormittäglichen Konferenz zum Vergleich auf: Mit einer VR-Brille kann man, nachdem man durch die Räumlichkeiten gelaufen ist, die gleiche Tour nochmal virtuell machen, und sieht dann genau die Kunstwerke, die die Schüler aus den abgelehnten Stücken der realen Herbstausstellung ausgesucht haben.

Wichtig war bei der Auswahl, die in der Schule erst basisdemokratisch und dann in kleinen Gruppen getroffen wurde, „von einem Bild emotional berührt zu werden – oder irritiert“, sagt Kunstlehrerin Hannelore Minks.

Man sei „direkt vom Kunstwerk ausgegangen, ohne auf Preise oder Vita zu achten“, fügt Kristina Sinn vom Kunstverein hinzu, eine Abwechslung zur üblichen Vorgehensweise. Die neue Perspektive ist wertvoll, für Besucher und den Kunstverein selber: „Als Fachidiot“, so Harutoonian, „hat man keinen unbeschwerten Blick“.

Das Geld kam vom Land Niedersachsen unter der Schule:Kultur!Zwei-Förderung, doch im Projekt waren die Teilnehmenden „die Motoren ihrer eigenen Lernerschließung“, so Schulleiter Thomas Kelber.

Die Zusammenarbeit, Initiative und Akzeptanz der zumeist aus eher bildungsfernen Familien stammenden Schüler*innen habe alle überrascht: In der virtuellen Ausstellung haben sie nicht nur Werke ausgesucht, sondern auch Wände hochgezogen und Wandfarben verändert, außerdem stammen die Begleittexte im Expositionsheft von den Schülern.

Beim Opening Freitagabend halten einige von ihnen sogar Eröffnungsreden – für die Robert-Koch-Realschule war das Vermittlungsprogramm also ein Riesenerfolg. Und Kurator Harutoonian ist ebenfalls glücklich über die Zusammenarbeit: „Wir sind hier sehr, sehr froh, dass wir in dieser Sache Vorreiter sind.“ Bei der nächsten Herbstausstellung wolle man das Projekt auf jeden Fall weiterführen.

Die digitale Herbstausstellung geht bis zum 28. Oktober.

Von Lilean Buhl

Tolle Idee: Schüler der Robert-Koch-Realschule machen aus den abgelehnten Werken zur 88. Herbstausstellung eine eigene Schau.

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