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Kultur Schräg und bunt sind „Die drei Spinnerinnen“
Nachrichten Kultur Schräg und bunt sind „Die drei Spinnerinnen“
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00:21 09.04.2018
Schön schräg und bunt: Die drei Spinnerinnen Hyun-Joong Kim, Ylva Stenberg (Mädchen), Gihoon Kim, Yannick Spanier zeigen, es geht (von links). Quelle: Landsberg
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Hannover

Wenn man zuviel spinnt, kann man ganz schön seltsam werden. Das muss das Mädchen aus dem Märchen „Die drei Spinnerinnen“ erfahren – zur großen Freude der ganz jungen und der etwas erfahreneren Zuschauer, die bei der frischen Premiere der Jungen Oper im Ballhof Eins dabei waren – und das neue Stück von Gregor A. Mayrhofer mit mächtig Applaus und Fußgetrampel abfeierten.

Da ist der Staatsoper ein kleines Meisterstück gelungen, denn in dem einstündigen Werk finden mehrere Generationen etwas: Die Kleinen freuen sich am knallebunten Spektakel, die Mittleren am unmittelbaren Theaterereignis mit packendem Stimmeneinsatz und die Kenner bekommen dazu noch den Reiz delikater Klangwirkungen.

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Chefdramaturg Klaus Angermann hat den Spaß textlich eingerichtet, erzählt hier von dem ach so faulen Mädchen, das einfach nicht spinnen will. Die Faulheit wird hier allerdings nicht gar so dramatisch gesehen, wie im Original. Immerhin gibt es zum Schluss einen echten Prinzen und die Einsicht, dass jeder seinen Faden durchs Leben immer selbst finden muss. Das gilt dann ja für alle Altersstufen.

Die Inszenierung ist ansprechend schrill, bonbonbunt mit Pagen in himbeerfarbenen Adidas-Anzügen. Den größten Schauwert haben die drei Spinnerinen auf reichlich hohen goldenen Plateausohlen, schrägen Hüten und ganz viel Chonchita-Wurst-Charme. Die größten Lacher kommen, als beim Elektrorollator die Zentralverriegelung aktiviert wird. Das Bühnenbild schafft mit reduzierten Mitteln den großen Auftritt – wenn sich die große Spinnerei in eine Liebeslaube verwandelt.

Das Ereignis dieser Aufführung ist allerdings die musikalische Seite, Gregor A. Mayrhofer schafft die Balance aus Verständlichkeit und Zeitgemäßheit – mit Klavier, Holzbläsern, Streichern und dem Vertrauen darauf, dass die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts schon ausreichend kompositorische Mittel zur Verfügung gestellt hat. Hier stimmt das Handwerk, das delikate Klangwirkungen (Klaviersaiten werden harfenartig mit der Hand bespielt) bis zu den großen Ausbrüchen bietet, wenn es um die Verzweiflung („Arbeit ist das halbe Leben“) geht – von Dirigent Mark Rohde gut umgesetzt.

Stimmlich ist diese Oper gut und textverständlich zu bewältigen – was Ylva Stenberg (Mädchen), Marlene Gaßner (Königin), Pawel Brozek (Prinz), Ula Dreschner und vor allem die drei Spinnerinnen Gihoon Kim, Hyun-Joong Kim und Yannick Spanier zeigen.

Und es darf auch mitgesungen werden (alle!) beim großen Spinnerlied das da lautet: „Fitze Schmatze – Surr Surr – Bum Bidi“.

Von Henning Queren

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