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Kultur Ruth-Baumgarte-Preis für Nan Goldin
Nachrichten Kultur Ruth-Baumgarte-Preis für Nan Goldin
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18:49 27.06.2019
Geehrt: Nan Goldin im Sprengel Museum. Zwei Werke sind in der Museumssammlung. Quelle: Queren
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Hannover

Als Künstlerin hat sie eine klare Einstellung: Geld ist nichts, Engagement ist alles. Nan Goldin gehört zu den wichtigsten Fotografinnen der Gegenwart und erhielt gestern im Sprengel Museum den 5. Kunstpreis Ruth Baumgarte (mit 20 000 Euro dotiert).

Nan Goldin nutzte die Vorstellung von Preis und Preisträgerin ohne große Umschweife für ein Statement zu ihrem derzeit wichtigsten Kampf – gegen die amerikanische Opioid-Krise und gegen die Pharmaindustriellen-Familie Sackler, die damit ein Milliardenvermögen gemacht hat.

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„Ich habe mein früheres Werk dem Kampf gegen Aids gewidmet, eine Krankheit, die eine ganze Generation betroffen hat – und diese Opioidkrise ist dabei, eine weitere Generation auszulöschen.“ Nan Goldin meint damit das massenweise Verschreiben von bestimmten Schmerzmitteln, die stärker abhängig machen als Heroin und ganze Stadtteile in Slums verwandeln. In Deutschland sind diese Medikamente nur unter stärksten Auflagen zu bekommen, in den USA darf sie jeder Hausarzt aufs Rezept setzen. Zehntausende sterben in den USA jedes Jahr an einer Überdosis.

Die Familie Sackler hat ihr damit verdientes Vermögen in die Kunst investiert, ist ebenso im New Yorker Metropolitan Museum vertreten wie im Pariser Louvre. Nan Goldin: „Ich will, dass es aufhört, dieses Waschen der Reputation durch die Kunst.“ Museen sollten sich weigern, Geld von dieser Familie anzunehmen. Überhaupt: „Dirty Money“ habe in Museen nichts zu suchen. Europäische Museen seien im Vergleich zu den US-Institutionen in einer besseren Lage, da sie staatlich finanziert werden.

Was Sprengel-Direktor Reinhard Spieler bestätigte. Und: „Wir sind so weit ab, dass wir für die Milliarden nicht interessant sind.“ Er würdigte das herausragende Werk und Engagement von Nan Goldin, die schlicht eine „großartige Künstlerin“ sei.

Zu Recht. Nan Goldin wurde in den 80er Jahren durch ihre schonungslos subjektive Fotografie berühmt – die Menschen in prekären Situationen zeigte, Unterprivilegierte, Obdachlose, Drogensüchtige, Aids-Kranke – aber immer mit „großer Empathie und Wärme“, so Spieler, die es dem Betrachter ermöglichen, selbst ein Teil dieser Welt zu werden.

Der Preis wird von der Kunststiftung Ruth Baumgarte (Vorsitzender: Galerist Alexander Baumgarte) vergeben, die sich der Aufarbeitung des Baumgarte-Werks zur Aufgabe gemacht hat.

Von Henning Queren

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