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Kultur Rainald Grebe im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur Rainald Grebe im Schauspielhaus
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16:39 10.06.2019
Ran ans Publikum: Rainald Grebe in Verkleidung – oder auch nicht – im Schauspielhaus. Quelle: Wilde
Hannover

Ob der kreative Kopf hinter dem Slogan „Hannover. Hier Jetzt Alle“ im ausverkauften Schauspielhaus Hannover war, weiß man nicht. Aber dass er sich gehörig geschämt hätte, darf man zumindest hoffen, denn der Kabarettist Rainald Grebe führt in seinem Abschiedskonzert im Rahmen des „Burn“-Festivals nicht nur diesen, sondern gleich eine ganze Reihe ähnlich trauriger Versuche deutschen Stadtmarketings vor („Karlsruhe. Viel vor. Viel dahinter“).

Mit dem Spottlied „Brandenburg“ wurde Grebe bekannt, und die deutsche Provinz hat ihn seitdem nicht losgelassen – die „Orte mit zwei Buchstaben im KfZ-Kennzeichen“, wie er sie nennt. Er zeigt Fotos von tristen Auftrittsorten und erklärt nebenbei: „Man muss nicht jedes ästhetische Verbrechen auf den zweiten Weltkrieg schieben“.

Immerhin hat er sich 2013 nach Hannover locken lassen, um mehrere Theaterabende für das Schauspiel zu gestalten, mit einer Art Langzeitstudie zum Übergang vom analogen zum digitalen Zeitalter: „Das Anadigi Ding“.

Aus den gewonnenen Erkenntnissen dieses schnelllebigen Themas wiederum Kabarett zu machen, kann auch leicht schiefgehen, was sich gleich zu Beginn des Abends zeigt, als Grebe mit einem Chip in seiner Hand die Technik zu steuern vorgibt, was höchstens bemüht witzig ist. Ähnlich wie das Hantieren mit einem Koffer, der angeblich sein neues Smartphone sei. Da sieht der Künstler schnell etwas alt aus.

Was er allerdings selbst weiß: Bevor ihm das „Publikum wegmodert“ singt er vom „grauen Haar am Sack“, stellt fest „ich nehm zu, das Leben nimmt ab“ und fragt seinen getreuen Techniker Franz Schuhmacher, ob er früher besser war. Was früher auf jeden Fall besser war: deutscher Hip-Hop, denn die Fantastischen Vier haben noch perfekt den Endreim bedient, während ihre jungen Nachfolger schon mal „ahnma“ auf „labern“ reimen und „Tage“ auf „Karte“.

Ob der saubere Endreim wirklich so ein wertvolles Gut ist, sei dahingestellt, aber Grebe macht an anderer Stelle klar, dass er ja wohl sagen könne, was er will: Kunst sei schließlich „die älteste Filterblase der Welt“. Dann kann man auch „Atemlos durch die Nacht“ als „deutsches Kulturgut“ an die Elfenbeinküste exportieren („Kolonialismus auf Augenhöhe), wohin er 2016 eingeladen war, auf Einladung einer alten Bekannten, die das Goethe-Instituts in Abidjan leitete.

Grebe zeigt Videos von jungen Chormitgliedern, die sich auch an seinem Hit „Brandenburg“ versuchen – und erzählt dann, dass seine Bekannte nur wenige Monate nach seinem Besuch einem islamistischen Terroranschlag zum Opfer fiel.

Da wird es still im Saal, aber allzu lang muss den Zuschauern das Lachen nicht im Halse stecken bleiben, denn Grebe läuft zum Ende noch einmal zu großer Form auf, zeigt seine Meisterschaft in kurzen Blödeleien wie „Am Ostersamstag hat Jesus Brückentag“, singt mit dem Publikum seinen eigenen Beitrag zum Endreim-Problem: „Palmöl in Malmö“ – und wird schließlich von stehenden Ovationen verabschiedet.

Nicht ohne vorher noch einmal ein Kondom auf dem Kopf aufgeblasen zu haben. „Kann nicht jeder“, meint er dazu, aber einmal hat sein Techniker Franz das letzte Wort: „Will auch nicht jeder.“ Schön war’s trotzdem.

Von Matthias Wieland

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