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Kultur Polka-Punk von Leningrad
Nachrichten Kultur Polka-Punk von Leningrad
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00:20 05.04.2018
Russland Hurra: Rosa Hose ist besser als gar keine Hose. Die Band Leningrad mischt mit Polka-Punk die Swiss Life Hall auf. Quelle: Wallmüller
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Hannover

Polka, Ska und Punk – gut 2500 Zuschauer in der Swiss Life Hall erfreuen sich am Balkan-Pop der russischen Band Leningrad. Slawische Wurzeln und aus Sankt Petersburg, es finden sich viele russische Mitbürger unter den Zuschauern, denn ihre Lieblingsband gibt eines ihrer seltenen Konzerte in Deutschland.

Mehr als 20 Musiker bevölkern die Bühne, jedes Instrument ist doppelt und dreifach besetzt: die Gitarren, die Blasinstrumente, Keyboards, Perkussion, Schlagzeug und selbst eine Pauke haben sie mit dabei. Die Leningrader sind bunt und albern gekleidet, wie Badegäste am Schwarzen Meer und aus einem surrealen Film: rosa Sporthosen, Urlaubs-Topps und Glitzerröcke, ihre Partymusik bietet denn auch allen Anlass dazu.

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Das von den Kanonen abgefeuerte Lametta verfängt sich in den Licht-Traversen, vereinzelt werden russische Flaggen geschwungen, die Pelzmützen stolz getragen. Dazu Wodka-Durst und „Rrrrock ’n’ Rrrroll“ – das erinnert an wilde Eurovision-Song-Contest-Auftritte.

Ein Förderer Leningrads ist Wladimir Kaminer, bekannt sind sie von den vielen „Russendisko“-Veranstaltungen. Die wilde Truppe spielt schamlose, den Alkohol verherrlichende Songs mit scharfen Riffs und viel Dynamik. „In unseren Liedern geht es nur um die positiven Seiten des Lebens, um Wodka und Frauen“, so ihr Motto, doch sie beherrschen die blauen Balladen und Harmonien in Moll ebenso.

Die ausgelassene Menge tobt vor der Bühne und lässt sich dankbar animieren, die Fans tanzen auf den Rängen, es wird viel gefilmt. Bandleader Sergei Schnurows E-Gitarre hängt tief unter dem Hosenbund, auch daran erkennt man einen Punk-Rocker, denn anfänglich waren Leningrad eine reine Underground-Band.

Das Publikum beherrscht die Texte. „Vienna, Hannover, London, Paris“ steht auf den Plakaten. „Leningrad, Leningrad!“, skandieren die Fans, ausgewählte Damen in der ersten Reihe bekommen ausgewählte Getränke gereicht, zwei grob gepixelte Brüste pumpen auf der Leinwand, da brummt die Stimmung, zudem wird Wodka mit Gurke gereicht. Die Pyrotechnik zischt am Bühnenrand, und nach zwei Stunden endet der laute und lustige Besuch der Leningrader.

Von Kai Schiering

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