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Kultur Poetry Slam in Herrenhausen
Nachrichten Kultur Poetry Slam in Herrenhausen
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16:12 18.08.2019
Stimmungsvoll: Der Poetry Slam „Macht Worte! im Gartentheater der Herrenhäuser Gärten soll auch im kommenden Jahr hier wieder steigen.  Quelle: Foto: Wallmüller
Hannover

„Man kann Literatur nicht bewerten, beim Poetry Slam tun wir es trotzdem!“. Diese ehrliche Auskunft vom Moderatorenteam um Henning Chadde und Jan Egge Sedelies umschreibt das fünfte „Macht Worte!“-Gastspiel im Gartentheater der Herrenhäuser Gärten.

Eine Bühne, fünf Dichter und Dichterinnen mit dem Ziel, Herzen und Köpfe des Publikums für sich und den eigenen Text zu gewinnen. Zehn Bewertungskarten werden unter den Zuhörern verteilt, anhand der Noten und dem Beifall, werden die Beiträge bewertet und der „Gartenpoet 2019“ ermittelt.

Theresa Sperling aus Nordhorn eröffnet den ausverkauften Abend mit der wahren Geschichte einer jungen Schülerin. Der Vortrag behandelt die ungewollte Schwangerschaft der 16-Jährigen, mit all den Problemen, Vorurteilen und Schikanen, die die Mitschüler, die Eltern und auch die Gesellschaft auf die junge Mutter loslassen.

Es ist eine schnell gesprochene, intensive Erzählung, die das Publikum im barocken Rund nicht unberührt lässt und auf Anhieb die höchste Punktzahl einstreicht.

Tobias Kunze aus Hannover Linden ist ein Pionier der Slam-Szene und vielleicht sogar ihr heimlicher Star. Mit seinem Text verprügelt er die urbane Mobilität – SUV vs. Mensch, das ist schlau und lustig, wenngleich auch diese Ansichtsweise keine neue Erkenntnis bringt.

Da ist Rita Apel aus Bremen, Vegesack mit ihrem monotonen Vortrag in provinzieller Mundart „Stadt, Land, Verdruss“, etwas massentauglicher. Sie witzelt gekonnt über Ästhetik bei Städtenamen. Leider kommt während ihres Auftritts der Regen dazwischen, die Unruhe die entsteht, bringt einen leichten Bruch in Ritas Lehre. Doch die Punktevergabe entschädigt auch sie.

Sulaiman Masomi aus Köln „bekämpft Rassismus mit noch mehr Rassismus“; er kontert Stereotypen über Nationalitäten mit überzogenen Gegenvergleichen und lässt so die Mauler und Meckerer kalt auflaufen.

Skog Ogvann aus Leipzig strickt dadaistische und humoristische Reime, Heinz Erhardt und Wilhelm Busch blinzeln aus den Versen, lockern die Besucher in ihren übergestülpten Regenponchos auf.

Nach den ersten Bewertungen liegen die Künstler noch dicht beieinander, nach der Pause starten die Poetinnen und Poeten in umgekehrter Reihenfolge. Skog dichtet über Mord und Totschlag, selten waren Verbrechen so amüsant. Sulaiman weiß „Mit Angst kann man Menschen manipulieren“, und dass „selbst eine Orange Angst vor der Presse hat.“ Eine gelungene Anspielung auf den amerikanischen Präsidenten.

Rita, als ehemalige Grundschullehrerin vergleicht das Futur 1 mit Fridays for Future, während Tobi aus Zuschauerzurufen Improvisation schmiedet. Es gibt nichts, was der Schnelldichter und Rapper nicht für seine Stegreifperformance gebrauchen könnte, denn „Poesie entsteht zwischen den Polen!“.

Die schöne Kulisse der Herrenhäuser Gärten, die goldenen Statuen, die Perspektiven zwischen Hecken und Bäumen, ist eine weitere Ebene des Wettbewerbs.

Und das Finale bestreiten Theresa und Skog, die Künstlerin aus Nordhorn entscheidet den Wettbewerb für sich. Viel Beifall für alle Wortkünstler und auch nächstes Jahr werden die Sommernächte im Gartentheater wieder neu aufgelegt.

Von Kai Schiering

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