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Kultur „La Juive“ in der Staatsoper Hannover
Nachrichten Kultur „La Juive“ in der Staatsoper Hannover
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21:40 15.09.2019
Sei verdammt: Starker Auftritt von Zoran Todorovich als Éléazar (links) und Matthew Newlin als Prinz Léopold währen der barocken Perücken-Party. Quelle: Then
Hannover

Der Applaus knallt schon gleich in die letzten Momente der Musik. Die Begeisterung ist greifbar, hier gelingt der Start in eine neue Ära. Mit einer ebenso nachvollziehbaren wie klug durchgestalteten Regie. Mit einer Oper, die auch ganz viel Aktualität ausstrahlt.

„La Juive“ (Die Jüdin) heißt das Stück. Die Wahl ist glücklich, neben programmatischen Erwägungen und Bekenntnis zu Pfaden abseits des Repertoires ist das auch praktisch: Die „Grand Opéra“ von Fromental Halévy ermöglicht es dem ganzen Haus, sich von der besten Seite zu zeigen, Chor, Ensemble, Solisten, Orchester und neue Bühnenmaschinerie.

Und das wird alles gebraucht für einen packenden Opernabend – für den Regisseurin Lydia Steier den passenden Rahmen schafft. Und diese Oper als eine detailreiche Zeitreise zurückerzählt – mit dem ersten Akt in einer US-Kleinstadt der 50er Jahre beginnt, ein bisschen Twin Peaks, eine bisschen Elvis mit Cadillac. Um dann über die Stationen Weimarer Republik, Barock, Inquisition beim großen Kirchenkonzil zu Konstanz zu landen – bei dem laut Libretto die Oper eigentlich spielt.

Das ist spannend und geht gut auf. Auch weil in jeder Phase der unter- und überschwellige Antisemitismus klar bezeichnet wird – SA-Leuten tauchen auf, NS-Filmkarikaturen wie „Jud Süß“ und die mittelalterlichen, kinderfressenden Sündenböcke.

Den entsprechenden dramatischen Sog bekommt diese Zeitreise durch das Bühnenbild von Momme Hinrichs, der über weite Strecken eine Art bühnenhoher Beton-Klagemauer aus 420 Quadern aufgebaut hat – die auch als Projektionsfläche für Videos (Feuer, fliegende Engelchen) und für nötige Häppchen Humor dient – wenn der Kardinal (gewohnt stimmgewaltig: Shavleg Armasi) als singende Monstranz erscheint.

Und die neue Drehbühne erlaubt so kleine Wunder wie das Ausklappen einer jüdischen Wohnstube aus der Betonwand.

Die Halévy-Oper und damit auch die Regie arbeitet mit Tableaus, den ganz großen Auftritten – das hat dann Schauwert, wenn eine Parade der Grausamkeiten über die Bühne fährt oder am Fürstenhof eine opulente Puder-und-Perücken-Party (Kostüme: Alfred Meyerhofer) steigt.

Um allerdings richtig genießen zu können, wird beim Zuhörer ein gewisses inhaltliches Abstraktionsvermögen gefordert – wenn da von Gott, Glauben, Ehre und sich daraus notwendig folgenden Handlungen die Rede ist. Zeitgemäß sind hier dagegen das Einstehen gegen Ausgrenzung, für die Überwindung zwischenmenschlicher Grenzen und den Glauben an die Größe der Liebe.

Und an die Kraft der Musik. Dafür stehen die Sänger ein. Allen voran Altstar Zoran Todorovich, der sich im Laufe des Abends mächtig steigert – bis zu den Fluchausbrüchen in den letzten beiden Akten – und auch flehend bravourös in der Arie „Rachel, quand du Seigneur“. Rachel (Hailey Clark) steht dem kaum nach – mit einer dramatisch gestählten Stimme, die mühelos das Opernhaus füllt. Und Matthew Newlin als Samuel/Leopold balanciert geschickt auf dem Höhengebirge seiner Partie.

Dass man sich am Ende nicht auf die Kraft der Projektion verlässt, sondern Rachel in sprudelndes Wasser plumpsen lässt, geschenkt. Der dramatischen Schlusskurve tut das keinen Abbruch, die von Dirigent Constantin Trinks unter Spannung gehalten wird. Das Orchester ist weitgehend in Bestform und spielt enorm durchsichtig. Mit seiner Abendleistung hat sich Trinks in die erste Reihe unter den Kandidaten für den Posten des noch zu findenden Generalmusikdirektors gestellt.

Das Publikum feiert das Sängerfest und die ansehnliche Regie mit einer Viertelstunde sattem Applaus.

Von Henning Queren

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