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Kultur „Oedipus Rex“ in der Staatsoper
Nachrichten Kultur „Oedipus Rex“ in der Staatsoper
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15:03 28.04.2019
Das Orakel fordert Rache: Mechthild Großmann in Strawinskys „Oedipus Rex“ – die Hauptrolle spielt der Opernchor (unten). Quelle: Landsberg
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Hannover

Irgendwie ist es doch ein bisschen wie im Krimi: Der Fall heißt „Oedipus Rex“, es geht um Vatermord, Inzucht, Betrug. Da bedarf es einer kundigen Staatsanwältin. Die an diesem Abend vom „Münster-Tatort“ kommt: Mechthild Großmann heißt der Glücksgriff der Staatsoper, die sich die versierte Schauspielerin für die Sprecherrolle der Strawinsky-Premiere gesichert hat.

Und das macht dann einfach schon Spaß, ihr zuzuhören, wenn sie wie eine düstere Göttin in tiefschwarzem Samt und noch tieferer Stimme erklärt: „Das Orakel fordert Rrrrrache!“

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Der Sprecher war ursprünglich wichtig, weil des Oratorium komplett auf Latein abgehalten wurde – was heute dank der Übertextanlage nicht mehr ganz so wichtig ist. Deshalb braucht man schon außergewöhnliche Vortragende.

Das lenkt dann aber nicht von der durchweg überzeugenden musikalischen Leistung ab, die in dieser Produktion vom Staatsopernchor bestimmt ist. Was für eine Wucht, Stimmigkeit – und wie hier den ganzen Abend über die anspruchsvollen Taktwechsel, wie kraftvoll und homogen der lateinische Text bewältigt sind. Die volle Macht wird dann im Schlussmonolog ausgefahren.

Dirigent Valterri Rauhalammi steuert dabei eher einen mittleren Kurs, verzichtet auf die klare Schärfe, die Strawinsky auf seiner legendären Einspielung von 1962 hinterlassen hat. Verzichtet aber auch auf den Weichspüler, mit dem bisweilen die Dirigenten den kantigen Einakter bekömmlicher machen wollen.

Die Tempi liegen im noch im angenehmen Bereich, die Konturen sind ausreichend klar mit angemessen sanften Streicherklängen. Beim Schlagwerkeinsatz wird allerdings etwas zu sehr gespart.

Khatuna Mikaberidze legt die Partie der Jokaste wohltuend zurückhaltend an, verzichtet auf überflüssige Ausflüge in die Oper und wird dabei vom Dirigenten unterstützt – der die Begleitung schon fast impressionistisch anlegt. Raymond Very ist ein überzeugend leidender Ödipus.

Der Schluss ist dann eine Miniatur des großen Schauspiels, so wie Mechthild Großmann dann über die Bühnebreite schreitet, sanft den geblendeten Ödipus berührt und ihn mit sich von der Bühne und ins ewig Dunkle zieht.

Strawinskys vergleichsweise kurze und eher opernferne „Psalmensinfonie“ fordert den Chor ein weiteres Mal. Das hat schon Klasse, wie – bei ebenfalls milden Tempi – die Doppelfuge im zweiten Satz kommt, wunderbar kraftvoll die Einwürfe im Finale. Ein edler Abend, der ein paar mehr Zuhörer verdient hätte. Denn das Programm ist mutig, überraschend hörenswert und der Chor ist Spitze.

Von Henning Queren

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