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Nachrichten Kultur Neustart für die Kulturstadtbewerbung Hannover
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19:44 20.09.2018
Die große Runde: Beirat, Kuratorium und Team für die Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt. Quelle: Queren
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Hannover

So sieht ein echter Startschuss aus, Ideen, ein Ziel, klare Worte und viel Applaus: Hannover hat sein Team für die Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt 2025“ präsentiert.

Alles auf Null und Neustart, gestern zeigten Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft, wie es nun doch klappen soll. Ein konzentriertes Team um Sozial- und Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf – ergänzt durch auswärtige Experten – wird ein „Bid Book“ erstellen, das die Jury überzeugen soll, den Titel nach Hannover zu geben.

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„Wir werden eine positive Vision vermitteln“, so Oberbürgermeister Stefan Schostok. In Hannover würden die großen Zukunftsfelder wie kulturelle Teilhabe, Mobilität und Nachhaltigkeit, Migration und Frieden in den Städten vorbildlich abgesteckt (siehe unten). Das Thema „Nachbarschaft“ bleibt.

Um die Bewerbung an sich macht sich Schostok weniger Sorgen. „Wir haben alles, was eine Kulturhauptstadt auszeichnet.“ Und auch wenn es mit dem Titel nicht klappen sollte, allein die Bewerbung würde schon reichlich für Hannover bringen: „Der Weg ist schon das Ziel.“

Dabei dankte er Igor Levit – der vor kurzem mit seiner Konzertansprache einen letzten Schub gegeben hat – für die „klare Intervention“. Beispielgebend in seinem Einsatz, sich hinter die Stadt zu stellen. Davon soll es mehr Botschafter geben. Die Stadt müsse ein neues „Expo-Feeling“ erzeugen, eine Stadt sein, die sich begeistern kann und die weltweite Ausstrahlung hat.

Konstanze Beckedorf – sie verantwortet die Bewerbung – ist jedenfalls sicher, „dass wir den notwendigen Esprit, die Begeisterung haben“.

So ganz konkret ist man gestern noch nicht geworden – das soll erst mit dem Erstellen des „Bid Books“ passieren. Die Stadt war hier schon einmal weiter, als der Oberbürgermeister ein erstes Konzept mit der Idee eines Hauses der Kulturen präsentiert hatte.

Immerhin ist diesmal die Kompetenz deutlich in die Breite gegangen. Hier will niemand mehr in einer kleinen Gruppe zusammen sitzen – die Stadtgesellschaft insgesamt ist gefordert, die über ein Kuratorium und einem Beirat beteiligt ist. Aber jeder kann mitmachen. Und soll es auch, ganz informell, so Konstanze Beckedorf: „Wir sind bekannt und jederzeit ansprechbar.“

Das sieht auch Matthias Görn vom Freundeskreis Hannover so. „Wir haben großes Vertrauen in das Gelingen dieses Projektes.“ Die Menschen würden nur positiv der Bewerbung gegenüber stehen. Man könne sogar so etwas wie „Gänsehautstimmung“ ausmachen. Teilhabe ist gefragt. Dafür steht im Beirat auch Ninia Binias. Sie möchte junge Menschen in die Entscheidung einbinden, die 2025 dann 20 sind: „Wovon träumen die heute?“

Mit ihren ersten Ideen präsentiert sich Hannover dann am 15. und 16. Oktober in Berlin – gemeinsam mit den anderen Städten, die dem Call gefolgt sind. Dann wird man eine gute Ahnung davon haben, wie stark die Mitbewerber sind.

Über Geld wurde gestern nicht gesprochen. Die Stadt hat mal einen Budget-Rahmen von 30 bis 70 Millionen Euro abgesteckt – der aber je nach Qualität und Ausmaß der Projekte nach oben offen ist.

Der Zeitplan

Der Countdown läuft: Am kommenden Montag kommt der Call an alle Städte, die sich um den Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt bewerben wollen. Dann hat die Stadt ein Jahr Zeit, in einem „Bid Book“ darzulegen, was die Stadt dazu prädestiniert, Kulturhauptstadt zu sein.

Dabei interessiert vor allem, welche europäische Dimension Stadt und Programm für die Zeit als Kulturhaptstadt haben. Dieses Bewerbungsbuch wird bei der EU-Kommission eingereicht. Eine Jury wird dann 2020 darüber entscheiden, welche deutsche Stadt Kulturhauptstadt wird.

Beim Erstellen dieses „Bid Books“ muss sich die Stadt auch darüber verständigen, wie welche Summen für welches Projekt aufgebracht werden. Und auch woher das Geld kommen soll. Dabei geht es auch darum, wie nachhaltig die einzelnen Projekt angelegt sind. Die Jury will wissen, welche Langzeitstrategie die Hannover verfolgt – und auch, ob die Stadt über die notwendige Infrastruktur für das Jahr als Hauptstadt verfügt. Und wie es erreicht werden soll, dass vielen Bevölkerungskreisen der unverstellte Zugang zur Kultur möglich wird.

Drei Städte die mit im Rennen waren, sind schon ausgestiegen – durchweg aus Angst vor den hohen Kosten. Koblenz, weil die Landesregierung schon jetzt ihre finanzielle Unterstützung versagt hat. Halle, weil die Stadt im Gemeinderat für ihre Bewerbung keine Mehrheit gefunden hat. Kassel, weil die Stadtverwaltung immense Kosten ausgemacht hat, die bei einem Sieg auf die Stadt zugekommen wären. Hier war von bis zu 200 Millionen Euro an Investitionen die Rede.

Die Bewerbung

ie Stadt sieht sich auf der Überholspur, weil mit dem Konzept „Hannover 2030“ schon vorgearbeitet wurde. Bei der Bewerbung um den Titel, so Kulturhauptstadtexperte Oeds Westerhof, „nutzt man Kultur als Motor, um neue Wegen in allen Bereichen der Stadtentwicklung zu gehen.“ Für die Bewerbung werden dabei drei Perspektiven aufzeigt.

Internationalität: Die kulturell interessierte Welt würde schon auf Hannover schauen. Die Stadt zähle Weltoffenheit zu ihren Stärken. Es gibt viele internationale Städtepartnerschaften. Die Hochkultur würde europaweit wirken.

Bundesweiter Imagefaktor: Hannover wird für die am meisten unterschätzte Stadt Deutschlands gehalten. Hier gelte es die Stadt als Metropole kultureller Vielfalt zu stärken.

Integrative Kraft: Hier müssen viele Projekte, Interessen und Meinungen berücksichtigt werden. Eine gemeinsame Idee und Vision sei ganz unabhängig vom Titelgewinn eine große Chance für die Stadtidentität. Die Bewerbung sei eine Plattform für die Interessen aller gesellschaftlichen Gruppen.

Mit dem Thema „Nachbarschaft“ geht es um das Zusammenleben in einer Stadt im europäischen Kontext. Hier würde es dann im Detail um

die Kulturstadt Hannover gehen mit Musik, Theater, Film Tanz, Sozio- und Stadtteilkultur.

Gartenkunst und deren Tradition.

Baukunst und Architektur mit Einbindung des Ihmezentrums.

Mobilität und Digitalisierung.

Internationaler Austausch auch in der Stadt.

Die Konkurrenten

Das sind die Konkurrenten:

Chemnitz: Die Stadt ist im Moment sehr im Gespräch. Das Motto ist „AUFbrüche“ – es geht um „die Spannung von Identität und Verändung als zentrales europäisches Thema“.

Dresden: Die Stadt hat den Wettbewerb „2025 Euro für 2025“ ausgerufen. Hier werden besondere Projekte prämiert, die den Titel im Blick haben. Mit dem renommierten Kulturmanager Michael Schindhelm hat die Stadt einen starken Kurator.

Hildesheim: Hat das Projektbüro „Hi2025“ gegründet und sich Else Christensen-Redzepovic geholt, die in Dänemarks Kulturhauptstadt-Bewerbungen voran gebracht hat.

Magdeburg: Die Stadt hat als ihr Motto „Verantwortung!“ gewählt. Mit Tamas Szalay steht ein Experte an der Spitze, der 2010 im ungarischen Pecs erfolgreich war.

Nürnberg: An der Spitze der Bewerbung auch hier zugekaufte Expertise: Hans-Joachim Wagner, Musikwissenschaftler und Festivalmacher, soll es bringen. Der hatte schon bei der Bewerbung von Köln mitgearbeitet.

Pforzheim: Die Stadt will ihre 2000-jährige Geschichte ins Zentrum stellen.

Zittau: Der kleinste Bewerber mit gerade einmal 25 000 Einwohnern. Die Stadt will sich mit informellen Partner in Tschechien um den Titel bewerben und das Thema „Brücken“ in Zentrum rücken. Die Stadt ist allerdings schon im Hintertreffen, im Mai kommenden Jahres sollen die Bürger erst einmal abstimmen.

Die Reaktionen

War das der lang ersehnte Startschuss für eine erfolgreiche Bewerbung? In der kulturpolitischen Landschaft der Stadt wird dies so eingeschätzt.

„Der Teamgedanke ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg der Bewerbung. Denn nur, wenn Verwaltung, Politik, Kulturschaffende und Stadtgesellschaft zusammenarbeiten, wird es gelingen, eine überzeugende Bewerbung vorzulegen“, sagte SPD-Fraktionschefin Christine Kastning.

„Wir sind überzeugt, dass das Team um Dezernentin Konstanze Beckedorf für die anstehenden Aufgaben bestens gerüstet ist, so Belgin Zaman, die kulturpolitische Sprecherin der SPD weiter. Mit dem Team Hannover, dem Beirat und dem Kuratorium zur Kulturhauptstadt seien jetzt Strukturen vorhanden, um die Bewerbung voran zu bringen.

Der Beschluss des Kulturausschusses sei so umgesetzt worden, dass ein sinnvolles und richtiges Gerüst dabei herausgekommen sei, äußert Grünen-Kulturexperte Daniel Gardemin. „Die Arbeit geht jetzt aber erst los, das Team Hannover muss nun liefern.“ Was sei der Kulturbegriff Hannovers? Was könne Hannover Europa bieten? Und was habe die Stadtgesellschaft von der Kulturhauptstadt? „Darauf müssen wir Antworten finden“, so Gardemin.

„Schön, dass jetzt Gesichter zu sehen sind hinter dem Team. Mein Eindruck ist, dass die Leute mit dem Herz dabei sind. Wenn dem so ist, dann wird das was“, bewertete FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke den Auftritt vom Vormittag. Und: „Die Politik steht komplett hinter der Bewerbung, auch das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.“

CDU-Kulturexperte Klaus-Dieter Scholz sagte, endlich habe es die Verwaltung geschafft, ein Team aufzustellen. „Wir haben die Hoffnung, dass es nun vorangeht, da da Leute am Werk sind, die etwas von ihrem Handwerk verstehen.“

„Ein großes Projekt wie die Bewerbung zur Kulturhauptstadt braucht große gesellschaftliche und politische Geschlossenheit und ein gemeinsames Vertrauen in das Gelingen. Hannover steht hinter dem Projekt“, sagte Matthias Görn, Vorsitzender vom Freundeskreis. Und: Der Bewerbungsprozess gleiche einem Dauerlauf, bei dem es nicht darauf ankomme, wer als erster loslaufe, sondern darauf, wer sich seine Kräfte gut einteile – und die Jury am Ende mit eine überzeugenden Leitlinie begeistere.

Von Henning Queren

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