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Kultur Hannovers Opern-Open-Air im Maschpark
Nachrichten Kultur Hannovers Opern-Open-Air im Maschpark
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06:36 12.07.2019
Beim Opern-Open-Air blieb es am Donnerstag lange trocken. Die Bühne strahlt zur Blauen Stunde. Später wurde es doch noch nass. Quelle: Dröse
Hannover

 Auf der Bühne glühten die Heizpilze und die Leidenschaften – und vor der Bühne und im Park wurde es dann doch ein wenig feucht, die Abendgarderobe heißt Plastik. Das Knistern der Planen mischte sich ins kraftvolle Vorspiel zum „Bajazzo“. Hannovers Arena di Maschteich hatte sich entsprechend aufs Nieselwetter eingestellt. Das aber pünktlich zur knackigen „Bajazzo“-Ouvertüre eine Pause machte.

Bravo und Zwischenapplaus

Denn musikalisch war es wie erwartet tadellos, ach was, große Klasse. Was die Sängerinnen und Sänger in „Bajazzo“ und „Cavalleria rusticana“ boten, hätte man so auch an „richtigen“ und richtig guten Opernhäusern kaum besser in einer Repertoire-Vorstellung bekommen können. Allen voran von Marco Berti, der in dieser Produktion beide Hauptpartien übernommen hat –Kontrolle, Power und die herzigen Schluchzer beim berühmten „Vesti la giubba“ waren schon phantastisch –Zwischenapplaus und Bravo-Rufe. Dirigentin Keri-Lynn Wilson behielt bei den Volksszenen im „Bajazzo“ die Übersicht und setzte auf kraftvolle Tempi – was ja für eine Open-Air-Aufführung immer die sichere Bank ist.

Bester Blick im Maschpark

Die Besucher im Park haben immer den Vorteil der stimmungsvolleren Gesamtschau: Mascagni und Leoncavallo und das sanft illuminierte Rathaus als Kulisse, das sich je nach Platz im Wasser spiegelte. Diesmal waren allerdings nicht die Plätze vor den LED-Wänden und am Ufer die begehrtesten, sondern die unter den Bäumen.

Vor der Bühne hatte man immerhin einen gesicherten Sitzplatz mit Blick auf die Darsteller, allerdings mussten erst einmal die Plastikstühle trocken gewischt werden. Aber immerhin gab es eine gewisse Grundwärme, die den Hörgenuss später auch im leichten Sakko ermöglichte.

Damit das Drama um Turiddu oder den Bajazzo auch gut rüber kommt, waren im Park rundherum breitbandige Lautsprecher aufgestellt, die das Operngeschehen bei jedem Wetter erstaunlich angemessen zum Klingen bringen, wie auch diesmal wieder.

Weniger Besucher wegen des Wetters

Im vergangenen Jahr waren es 44.000 Besucher vor der Bühne und weit verteilt im dicht gepackten Maschpark. Das wird in diesem Jahr nicht zu halten sein. Opern-Open-Air-Initiatorin Marlis Fertmann meinte bei der Begrüßung mit Blick auf die wetterfesten Zuhörer: „Gutes Wetter kann jeder.“ Open Air ist, wie der Name schon sagt, immer eine Sache, die am Wolkenaufkommen hängt.

Hannover feier wieder sein NDR Klassik Opern-Open-Air.

Wovon sich aber 8500 Belcanto-Fans nicht abschrecken lassen. Wie Helmut und Frida Müller aus Hemmingen, die an gedecktem Tisch und bei Kerzenschein sich auf die beiden Opern freuten. „Wir sind zum fünften Mal dabei und genießen die Atmosphäre – trotz des Wetters.“ Die Opernkenner sind häufig in der „richtigen Staatsoper“ und wünschen sich für den Maschpark ihre Lieblingsoper „Carmen“ –darüber wird dann fürs kommende Jahr zu reden sein.

Die Decken sind wasserfest, manche Zuschauer haben sogar kleine Zelte improvisiert. Es wird immer gesagt, dass solche Open-Air-Sachen die Schwellenängste senken. Und das stimmt. Wie Johanna, Laura, Robert und Timo aus Hannover bestätigen: „Es ist tatsächlich unser erster Opernbesuch überhaupt, das Wetter ist kein Problem, es ist ja warm.“ Von der Musik verzaubern lassen sich hier zwei IT-Leute, ein Maschinenbauer und eine Masterstudentin. Benita und Sabine auch aus Hannover sind neugierig auf die beiden Opern, die sie nicht kennen und regen an „vielleicht auch einmal eine Operette oder ein Musical“ im Maschpark zu versuchen.

Samstag geht es in die zweite Runde

Kurz vor 23 Uhr fing es dann doch noch an, mächtig zu regnen. Die Oper ging weiter, aber so mancher Gast flüchtete lieber. Trotzdem: Dieser Abend ist eine dicke Empfehlung, sich am Samstag in den Maschpark zu begeben. Das Wetter soll ja auch wieder ein Einsehen haben. Und: Regenschirme sind vor der Bühne nicht erlaubt. Es gab diesmal schon ordentlich Ärger beim Einlass in den Veranstaltungsbereich. Im Park ist das natürlich kein Problem.

Von Henning Queren

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