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Kultur Monteverdi in der Staatsoper
Nachrichten Kultur Monteverdi in der Staatsoper
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16:36 10.06.2019
Auf dem Tisch liegt es sich gut: Stella Motina (links) als Poppea und Julie-Marie Sundal als Ottone in der kargen Inszenierung von Ingo Kerkhof. Das Gute daran. man kann sich auf die Musik konzentrieren – und die in einfach hinreissend. Quelle: Foto: Jauk
Hannover

Letzte Premiere der Ära Klügl: Da ist es dann schon eine glückliche Wahl, genau diese Oper zu nemen, die „Krönung der Poppea“ von Claudio Monteverdi – die als eine der ersten klar macht, warum diese Kunstform bisweilen ein pures Wunder ist.

Eine Musik zu Niederknien, Arien zum Dahinschmelzen, die mal eben vier Jahrhunderte überdauert haben – und immer ganz tief rein gehen. Das Publikum jedenfalls feiert die Ingo-Kerkhol-Inszenierung mit langen Applaus und vielen Bravos. Sieger des Abends sind das mit barockerfahrenen Gästen verstärkte Orchester und das hannoversche Ensemble, dass sich zum Abschluss noch einmal umfassender präsentieren darf.

Davon lenkt die budgetfreundliche Regie nirgends ab. Ein Tisch, eine paar Stühle stehen zu Beginn auf der Bühne und werden während des vierstündigen Abends auch gar nicht weiter bewegt – und auch sonst passiert nicht viel. Ein bisschen Schauspiel, einige verhaltene Tänze, hier findet, sagen wir es mal so, die Reduktion aufs Wesentliche statt.

Und das ist in dieser Produktion eindeutig die Musik. Das klein besetzte Ensemble ist auf der Bühne hinter dem Aktionsbereich platziert und kommt als Staatsorchester mit der barocken Artikulation und Phrasierung (Leitung: Howard Arman) ganz fabelhaft zurecht und gibt dem langen Abend bis zuletzt die nötige Spannung . Ein bisschen streng allerdings: Es ist mehr Harnoncourt als Gardiner, der bei Monteverdi einen sinnlicheren, lockeren Ton zum Maßstab gemacht hat.

Die Sänger schlagen sich achtbar. Heute besetzt man die entsprechenden Partien der Oper eher mit Countertenören und barockerfahrenen Frauen – weil es um Monte- und nicht Verdi geht. Monika Walerowicz liefert insofern einen etwas zu kraftvollen Kaiser Nero. Aber das passt aus Paritätsgründen dann schon wieder, da auch die geliebte Poppea (Stella Motina) nicht weniger vital an ihre Partie geht. Ähnlich verismo-nah geben sich auch auch Josy Santos (Ottavia) und Julie-Marie Sundal (Ottone). Daniel Eggerts stimmlich sehr profunder Seneca – kleiner Regiegag – verschwindet durch eine dampfgeschwängerte Luke im Bühnenboden wie in der Badewanne.

Die Inszenierung ist von der üblichen Art des Theaters über das Theater. Hier wirkt es wie eine Party, bei der man sich über Nero und die Macht der Liebe austauscht – und dieser Diskurs dann eben die Oper ist. Nach der Pause fliegen dann sogar ein paar Weintrauben von den Tafelfreunden ins Publikum. Das wars dann aber auch.

Wie man so etwas macht, hat im Ballhof beispielsweise im Expo-Jahr Philipp Himmelmann (mit dem Sopranisten Jörg Waschinski und Gabriele Fontana in den Titelpartien) gezeigt und Monteverdi in eine mörderische Modenschau verwandelt.

Ansonsten ist natürlich alles da, was gefordert wird. Amor (mit gestutzten Flügeln), der handliche Hofstaat mit humoristischen Einlagen der Amme (Sung-Keun Park) und am Ende das blutige Massaker an den Nebenbuhlern, genauer: an den Kehlen der Nebenbuhler – worauf dann das vielleicht schönste Duett der Operngeschichte einsetzt: „Pur ti miro“, zart begleitet, stark gesungen. Da gibt es dann einfach nichts mehr zu sagen und nur noch begeistert zu sein.

Von Henning Queren

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