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Kultur Matthias Brandt im Großen Sendesaal
Nachrichten Kultur Matthias Brandt im Großen Sendesaal
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14:55 28.04.2019
Blättern in der Krankenakte: Die beiden Hannover-Gewächse Jens Thomas (links) und Matthias Brandt. Quelle: Karsten Knocke
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Hannover

Wenn die Hustenfreudigkeit des Publikums im Lauf der Vorstellung immer mehr nachlässt, ist das sicherlich ein gutes Zeichen. So geschehen beim Auftritt von Schauspieler Matthias Brandt und Pianist Jens Thomas im sehr gut besuchten NDR-Funkhaus: Sie hatten die „Krankenakte Robert Schumann“ mitgebracht und sorgten für einen intensiven Abend.

Die beiden Protagonisten sind weithin bekannt und weisen einen ausgeprägten Hannover-Bezug auf: TV-Star Brandt, jüngster Sohn des Ex-Bundeskanzlers, hat an der hiesigen Hochschule studiert, Thomas war einst in der hannoverschen Jazzszene sehr aktiv. Sie haben schon mehrfach zusammengearbeitet und nehmen sich nun die letzten Lebensjahre des Komponisten Robert Schumann vor, den Selbstmordversuch und die Zeit in der Nervenklinik.

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Ausgangspunkt des Programms ist der Roman „Schumanns Schatten“ von Peter Härtling. Immer wieder kämpft Brandt nachgerade um Worte und Gefühle, nicht nur um diejenigen des Musikers: Im Mittelpunkt steht der Krankenpfleger, der sich, wiewohl ständig bepöbelt und gedemütigt, immer mehr mit seinem Patienten zu identifizieren beginnt.

Dem widerfährt das Schlimmste, was einem Komponisten widerfahren kann: Ihm kommt die Musik abhanden. Ob sie nun verloren ist, verlegt oder gestohlen, sie ist nicht mehr da. Im Sekundentakt können Gewaltausbrüche und Apathie wechseln, im Sekundentakt bedient Brandt diese Stimmungen und alle möglichen Zwischentöne, untermalt sie mit angemessener Gestik.

Ebenso variabel agiert Jens Thomas, der weit mehr als ein musikalischer Begleiter ist. Mal spielt er ein paar Takte romantische Klassik, mal Free Jazz, mal greift er ins Innere des Flügels. Und betätigt sich vokal mit Sounds und Oberton-Gesang, teils mit Liedgut wie „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ oder „Ich grolle nicht“. Spannend, das alles.

Auf der Minusseite: Nicht immer ist volle Textverständlichkeit gegeben, zudem gerät ab und an, etwa wenn Brandt seinerseits die Hände Richtung Tasten ausstreckt, die Grenze zum Pathos in Sicht. Überschritten wird sie aber nie, und so viel Geschmackssicherheit bei einem superdelikaten Stoff muss man erst mal hinkriegen. Insofern seien dem Duo der stürmische Applaus und die verbreiteten stehenden Ovationen von Herzen gegönnt.

Von Jörg Worat

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