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Kultur „Märchen im Grand Hotel“ in der Staatsoper
Nachrichten Kultur „Märchen im Grand Hotel“ in der Staatsoper
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12:06 17.11.2019
Ja sind wir den hier im Kino?: Gleich geht es ins Grand Hotel, um einen Film über Adel, Liebe und Leidenschaft zu drehen, Quelle: Mohr
Hannover

Es gibt verschiedene Orte, wo Märchen bisweilen wahr werden. Das Grand Hotel ist so einer. Und natürlich die Oper. Und wenn beide zusammentreffen, kann es nur märchenhaft werden. Wie mit dieser Operette von Paul Abraham. „Märchen im Grand Hotel“ hatte in der Staatsoper Premiere – und solch minutenlangen Applaus mit Gejohle und Standing Ovation erzielt man nur, wenn man das Heitere ziemlich ernst nimmt.

Das ist hier gelungen. Mit steppenden Zimmerkellnern, ordensgeschmückten Operettentenören, einem überaus spielfreudigen Cast und ansprechenden Dance-Breaks, die hier ein wenig gegen die Operetten-Tradition in die Singstücke integriert sind. Alles schön bunt (Regie: Stefan Huber) und mit überschäumender Spielfreude versehen.

Und auch die Geschichte stimmt, die wie üblich ein wenig kompliziert ist, aber ungefähr so geht: Kellner liebt Prinzessin, ist aber eigentlich Millionär, Papa kauft Fürstentitel – Happy End. Was aber boulevardmäßig erst hergestellt werden muss, denn Heiterkeit bringen nur die Verwicklungen; Wenn da zusätzlich die Tochter (Valentina Inzko Fink) eines Hollywood-Filmmoguls (Ansgar Schäfer, mit permanent echt paffender Zigarre) die Adels-Romanze als Blockbuster verfilmen will, um ihrem Daddy zu zeigen, dass sie es auch draufhat.

Beim Bühnenbild (Timo Dentler, Okarina Peter) darf die Technik ordentlich ran. Das hat schon Schauwert und übertrifft an Aufwand das in diesem Genre Gewohnte: Drei formatfüllende Drehbühnen dominieren die Szene, sind mal Hotellobby, Rezeption, Badezimmer der Prinzessin, mal Schlafgemach, Salon oder Bar. Und jede Drehbühne hat praktischerweise mittig noch eine Drehtür für die boulevardesken Auftritte. Über dem Ganzen schweben Leuchtkästen, die mit großen Lettern klar machen, wo man sich hier befindet, im GRANDHOTEL.

Musikalisch bleibt alles im Rahmen: „Der Duft der Rose ist ein Gruße meiner Liebe“ wird da gesungen, ober ein bisschen frech „Einmal möcht’ ich ein Boy sein“, „Ich wäre so gerne Königin/auf einem goldenen Thron/weil ich dazu geboren bin,/das fühlt ich immer schon“ – ja, das ist Operette, wie man sie gern hätte.

Die Melodien sind mitsummgeeignet, der Humor verständlich. Auch in den Dialogen, wenn der Concierge den jungen Zimmerkellner anraunzt: „Gestern haben Sie Infantin Isabelle Sauce Tartare ins Dekolleté geschüttet – Ich hatte keine andere“ – da quietscht das Publikum vor Vergnügen.

Der Schluss hat einen untypisch leicht melancholischen Twist – auch musikalisch, eigentlich kommen sie ja nicht zusammen, der Kellner und die Prinzessin, weil sie ja adlig ist und er nicht. Aber schließlich geht es hier auch ums Kino, das wissen alle auf der Bühne – und deswegen muss ein Happy End her. Das von Glitzer-Cowboys und Glimmer-Ukulelen begleitet wird, das macht Spaß.

Abspann: Den Zimmerkellner Albert, der sich am Ende in den Herzog von Muränien (Extra-Lacher) verwandelt und dann eben doch die Prinzessin heiraten darf, spielt der musicalerfahrene Alexander von Hugo, der über entsprechend elastische Beine verfügt, um mit versierten Stepp-Einlagen reichlich Szenenapplaus einzufahren. Für die Titelpartie der Infantin (Mercedes Arcuri) braucht man opernbewährte Stimmkraft. Wie auch für den Prinzen und Infantin-Verlobten Andreas Stephan (Philipp Kapeller), der zusätzlich noch ordentlich Weaner Schmäh mitbekommt. Frank Schneiders als Hotel-Präsident Chamoix ist in solchen Rollen immer eine sichere Bank.

Wie auch das Staatsorchester, das unter der Leitung von Carlos Vázquez auch mal zur Bigband wird und dem typisch samtigen Paul-Abraham-Sound einem ordentlichen Schuss Jazz mitgibt.

Die Inszenierung hätte wohl ein bisschen mehr gebraucht, irgendetwas Durchgeknalltes, was der Operette an sich erst den richtigen Drive verleiht. Aber keine Experimente zu wagen, ist ja auch ein Konzept. Hier fungiert der Begriff Operette eben als Markenartikel, man bekommt, was man erwartet und das in zuverlässiger Qualität. Dem Riesenerfolg dieser Märchenerzählung dürfte nichts im Weg stehen. Für die Silvestervorstellung werden die Karten schon knapp. Und nimmt man den Applaus, dürfte die Mundpropaganda entsprechend ausfallen. Wie sich einmal unbeschwert die volle Dosis Operette geben möchte, ist hier richtig. 4*

Von Henning Queren

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