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Kultur Macbeth: Dunkle Zeiten im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur Macbeth: Dunkle Zeiten im Schauspielhaus
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09:49 19.10.2018
Für Hartgesottene: Macbeth im Schauspielhaus. Foto: Ribbe
Für Hartgesottene: Macbeth im Schauspielhaus. Foto: Ribbe
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Hannover

Der Tod kommt auf Plateausohlen und mit Saxofon und bläst sie alle um: die vier Männer und drei Frauen, die im Schauspielhaus um ihr Leben trommeln. Krieg, Tod, dunkelste Zeit gleich zum Beginn. Und es wird nicht heller in Thorleifur Örn Arnarssons Inszenierung von Shakespeares „Macbeth“ in Schauspielhaus.

Regie-Schamane Arnarsson bietet nach „Hamlet“ und „Die Edda“ erneut bildgewaltiges, wirkunsgmächtiges Theater in Hannover, diesmal jedoch mit grandios reduziertem Versuchsaufbau. Sieben Spieler, die Bühne (Börkur Jonssun) ein Rad und ein Wunderwerk, erst Drehscheibe, dann unsteter schwebender Grund, schließlich Spiegelfläche für ein blutiges Abendmahl darunter. Die Geschichte des Kriegsherren Macbeth, der sich in einer Geschichte des Tötens zum Tyrannen Schottlands aufschwingt, ist kein Kindergeburtstag. Und doch platzt dann in das unappetitliche Mahl Lisa Natalie Arnold mit ihrer renitenten Stimme hinein: „Können wir jetzt endlich mal essen?“ Und den Macbeth-Kumpel Banquo (sprich: Benko) spielt Jakob Benkhofer, ein Running Gag. Gelacht werden darf auch; sonst wäre es ja auch kaum zu ertragen.

Blut spritzt in Strömen

Drei Paare – Arnold und Benkhofer, Philippe Goos und Sarah Franke, Johanna Bantzer und Daniel Nerlich – hat Arnarsson zu drei Macbeth- und Lady-Macbeth-Paaren gefügt, klar unterscheidbar, mal mehr, mal weniger zeitgenössisch, mal mehr, mal weniger subtil. Dazu kommt noch Henning Hartmann als Mitspieler: als König und Narr und Schicksalsgöttin, allesamt konsequent als Witzfiguren angelegt. Sie alle spielen, als gäbe es kein Morgen mehr und auch kein Morden, eine vielstimmige Einheit, mit den fiesen, elektronisch verfremdeten Saxofon-Tönen Bendik Giskes als Störmelder.

Denn wo Shakespeare die Geschichte einer Verführung durch Macht als historisches Drama erzählte, von der ersten Idee zu leiser Hoffnung und Gier, zu Anspruchsdenken und Obsession, holt Arnarsson das Geschehen ins Innenleben zurück. Die Figuren Bewusstseinspunktuationen, Facetten eines frappierend modernen Selbst, die Handlung ein einziger Gedankenstrom.

Es ist eine düstere, brettharte, fordernde und oft auch überfordernde Inszenierung, gespeist aus schwärzestem Nihilismus. Blut spritzt in Strömen, doch es sind innere Verheerungen. Alles ist tot, die Welt eine Scheibe, mehr in sich zusammenfallendes als aus sich selbst heraus rollendes Rad und das Leben wie bei Shakespeare „ein Märchen, erzählt von einem Idioten“. Am Ende steht: Nichts.

Und nach einigen Momenten der Erschütterung ein ohrenbetäubender Lärm des Publikums, dessen paar ratlose „Buh“-Rufe rasch überjubelt werden.

Von Stefan Gohlisch

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