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Kultur Jörg Widmann spielt Mozart
Nachrichten Kultur Jörg Widmann spielt Mozart
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13:43 23.11.2018
Im Duo: Dirigent Andrew Manze (links) und Klarinettist Jörg Widmann bei der Probe. Quelle: Kutter
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Hannover

Komponieren, dirigieren, klarinettieren: Jörg Widmann ist eine Dreifachbegabung. Das Podium überließ er beim Ring-C-Konzert der NDR Radiophilharmonie im Großen Sendesaal Chefdirigent Andrew Manze, in den anderen beiden Funktionen war er indes an diesem Abend zu erleben.

Zum Einstieg gab‘s Widmanns Konzertouvertüre „Con brio“, die im Publikum nicht überall Anklang fand, hier Erheiterung und dort Befremden hervorrief. Das lag vor allem am ungewohnten Einsatz der Instrumente, denen es allerlei Hauchen, Bratzen und Klappern zu entlocken galt.

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Darüber geriet vielleicht ins Hintertreffen, dass die Komposition weit mehr Struktur aufweist als so manch anderes Werk der Neuen Musik. Und Widmanns erklärtes Ziel, nämlich die Anklänge an Beethovens 7. Symphonie, die später auf dem Programm stand, wurde deutlich, etwa in Sachen Drive oder hervorgehobenem Gebrauch der Pauken.

Dann war Widmann leibhaftig zu erleben und sorgte bei Mozarts Klarinettenkonzert für eine Sternstunde. Viel differenzierter kann man dieses Stück wohl kaum spielen; da hatte jede Phrase ihren eigenen Ausdruck, und die bruchlosen Wechsel zwischen hohen und tiefen Registern gerieten frappierend – zuweilen schien der Solist tatsächlich dialogisch zu spielen.

Da zudem die Interaktion mit dem Orchester prächtig funktionierte, war hier ganz großes Hörkino angesagt. Kräftiger Beifall, viele nette Gesten Widmanns in Richtung Musiker und Publikum, aber aus irgendwelchen Gründen gab es keine Zugabe.

Nach der Pause also Beethovens 7., die etwas enttäuschend ausfiel, zumindest gemessen an dem zugegeben hohen Standard, den man inzwischen bei Manze zugrunde legt. Die Ecksätze wenig mehr als solide, das Allegretto ohne Klimax, das Presto einen Tick verhudelt, dazu hier und da ein etwas unrunder Gesamtklang im Blech: Klar gab‘s packende Momente, aber der Jubel, der vereinzelt in Bravos und Ovationen im Stehen mündete, wirkte unter dem Strich unangemessen.

Von Jörg Worat

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