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Kultur Jörg Mannes im Interview
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17:35 24.06.2019
Bald zieht hier ein Neuer ein: Jörg Mannes noch einmal im Ballettsaal der Staatsoper hoch oben direkt unter dem Dach.
Bald zieht hier ein Neuer ein: Jörg Mannes noch einmal im Ballettsaal der Staatsoper hoch oben direkt unter dem Dach. Quelle: Foto: Queren
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Hannover

Ein letzter Tanz, Ballettchef Jörg Mannes geht nach 13 Jahren zum Ende dieser Spielzeit. Ein Interview über emotionale Momente, ausverkauften Vorstellungen und einem Ausblick in die Zukunft.

Herr Mannes, schon ein bisschen traurig?

Ja, natürlich wird man noch so vielen Jahren schon wehmütig. Wir sind am Packen.

Wie lief es zuletzt?

Restlos ausverkauft. Wir haben mittlerweile Auslastungsquoten von 100 Prozent, das kündigte sich aber auch schon die letzten Jahre an. Im muss sagen, dass es von Anfang an gut war. Was mich immer begeistert hat, wenn Fans gekommen sind ... Ich habe da mal meinen Mann mitgebracht, der mit Ballett überhaupt nichts anfangen kann – und der ist jetzt schon in der dritten Vorstellung. Ich habe mich immer bemüht, das Publikum mitzunehmen.

Wodurch?

Auch durch Veranstaltungen außerhalb der Oper. In der Volkshochschule sprechen wir über unsere Produktionen und unsere Arbeit, das war unglaublich beliebt – und einer der größten VHS-Kurse der Republik.

Wie hat sich das Publikum in Ihrer Ära entwickelt?

Wir haben alle Altersklassen, es freut mich besonders, dass auch viele Jüngere dabei sind.

Was ich an Hannover mag, wir sind hier auch wirklich Teil des Hauses. Das war gar nicht so einfach, weil eine Ballettcompagnie auch ganz anders tickt als jede andere Gruppe in einem Opernhaus. Auch psychologisch verständlich. Das sind alles ganz junge Tänzer, die haben keine Familie, keine Bindung nach außen, das Ballett ist ihre Familie. Ich habe es immer als Luxus empfunden, hier direkt im Opernhaus arbeiten und tanzen zu können.

Was war das erfolgreichste Stück?

„Inferno“ – da sagten manche Zuschauer, dass sie schon siebenmal drin waren. Dann „Gefährliche Liebschaften“ und „Walzertraume“ mit 100 Prozent und immer stehenden Ovationen am Ende. Das liegt nun auch an den Tänzern. Ivan Liska, der Münchner Ballettchef war die Tage in einer Vorstellung und fragte mich, wie wir es hier schaffen, dass die Tänzer emotional so mitgehen.

Wann war es besonders emotional?

Immer, wenn das Ballett Menschen emotional etwas bedeutet. Wir hatten einen treuen Fan, die Frau war krebskrank, sie wünschte sich zu ihrer Beerdigung die Musik von „Inferno“ – und hatte ihren Töchtern zwei Tickets gekauft, damit die sich das noch ansehen. Das ist schon sehr berührend.

Was war das Highlight der Ära Mannes?

Das Bild, was es immer in Hollywood-Musikfilmen gibt, „Wow, jetzt habe ich es geschafft“, das ist Unsinn. Wenn man sich auf den Erfolg verlässt, wird es nicht mehr gut. Deshalb habe ich auch versucht, immer etwas Anderes zu machen.

Gab es Tiefpunkte?

Viele.

Ach ja?

Es gab schon Stücke, die wir verworfen haben. Was ich schade finde, dass wir das hannoversche Ballett überregional nicht mehr bekannt gemacht haben, wie es das wirklich verdient hat. Wir hätten einfach mehr touren müssen, das haben wir nicht geschafft, international und national präsenter zu sein. Das werfe ich mir vor, da habe ich nicht genug gekämpft. In der Rückschau merke ich, dass das ein Defizit ist. Hier haben wir den unglaublichen Erfolg, und außerhalb bekommt das keiner mit. Und keiner kann uns sehen und nachvollziehen, warum das so ist.

Was macht Jörg Mannes nach seiner Zeit in Hannover?

Er bleibt erst einmal in Hannover. Wir haben hier unseren Sohn, der fühlt sich sehr wohl in der Schule und beim Basketball. Hannover, das weiß jeder, liegt sehr verkehrsgünstig. Ich werde ab Herbst Gastaufträge übernehmen.

Zum Beispiel?

Ich mache in Gießen ein Majakowski-Ballett, ein schönes Projekt. In Detmold einen kurzen „Sommernachtstraum“.

Lust auf eine weitere Direktorenstelle?

Da warte ich ab, dass was Gutes kommt.

Von Henning Queren

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