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Kultur Igor Levit und Simon Bode im Sprengel Museum
Nachrichten Kultur Igor Levit und Simon Bode im Sprengel Museum
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16:32 27.01.2019
Mit ganzem Ausdruck: Igor Levit (links) und Tenor Simon Bode im Sprengel Museum. Der Calder-Saal hat das Potenzial zu einem echtem Konzertort.
Mit ganzem Ausdruck: Igor Levit (links) und Tenor Simon Bode im Sprengel Museum. Der Calder-Saal hat das Potenzial zu einem echtem Konzertort. Quelle: Foto: Kutter
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Es sind auch solche kleinen Momente, die Konzerte außergewöhnlich machen. Der Pianist setzt an, die ersten wuchtigen Akkorde, der Sänger sollte eigentlich einsetzen und macht ein Gesicht wie eine Manga-Figur – und dann fangen beide unbändig an zu lachen.

Der Pianist hatte einfach ein Stück übersprungen. Kann passieren, alles live, und man ist ja unter Freunden: Igor Levit und Simon Bode mit Schuberts „Schöner Müllerin“ bei einer Sternstunde des Liedgesangs im Calder Saal des Sprengel Museums – exklusiver Benefiz zugunsten der Joseph-Joachim-Akademie (siehe Kasten).

Diese „schöne Müllerin“ kann mit so scheinbar naiver Natürlichkeit von allem erzählen, von tiefer Liebe und großer Enttäuschung, von kindlichem Glauben und erlebter Schönheit, von Leid und Tod und Erlösung. Dabei muss man bis an die Grenzen gehen und manchmal darüber hinaus; Bode und Levit laden den Zyklus mit einem Maximum an Ausdruck auf.

Mit diesem Konzept kann man nur dann gewinnen, wenn man über die präzise Rhythmisierung, tadellose Intonation und leichte Höhe verfügt wie Simon Bode. Der seine Stimme dabb opernstark einsetzt, wenn es geboten ist wie in „Ungeduld“.

Zu den herausragenden Partien des außergewöhnlichen Abends gehören die dramatischen Sachen wie „Der Jäger“ und „Eifersucht und Stolz“, das Tempo, das beide vorlegen, ist dann schon konkurrenzlos. Das hat große Klasse, wie der Sänger alles bewältigt: Simon Bode präsentiert sich hier als durchtrainierter Müllerbursche und Igor Levit als wilder Jäger. Seine Tempi so überzeugend radikal und heben ihn durch die überlegene Gestaltung („Mit dem gründen Lautenbande“) weit über die Rolle eines Begleiters hinaus. Wunderbar wie knochenfahl die Töne hingetupft werden, wenn es um den Tod geht.

Die „Danksagung an den Bach“ gilt hier den beiden Künstlern, die dann am Ende ziemlich geschafft auf der Bühne stehen. Riesenapplaus.

Alles für die Akademie

Die Konzertreihe ist auf der Schiene: „Lied im Sprengel“ wird die Joseph-Joachim-Akademie in Zukunft unterstützen. Der nächste Termin steht schon (18. Januar 2020). Die Akademie ist für junge Musiker, damit sie Erfahrungen im Orchester sammeln können für eine Karriere als Berufsmusiker. Die Akademie wird betrieben von der NDR Radiophilharmonie und der Musikhochschule. Für zwei Jahren werden jeweils die Instrumentalisten gefördert. Das Benefizkonzert mit Igor Levit und Simon Bode hat zusammen mit der Unterstützung durch die VHV-Stiftung die Einrichtung einer zusätzlichen Stelle für einen jungen Trompeter ermöglicht. Bisher hatte die Akademie sechs Plätze für Streichinstrumentalisten.

Von Henning Queren

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