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Kultur Henrike Naumann im Kunstverein Hannover
Nachrichten Kultur Henrike Naumann im Kunstverein Hannover
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11:34 12.07.2019
Schön auf dem Teppich bleiben: Henrike Naumann mit Twipsy im Kunstverein. Auf ihrem T-Shirt steht „Gib Wessis eine Chance“ – deshalb ist sie sehr nett zu Wessis. Quelle: Queren
Hannover

Das muss man im Kopf erst einmal zusammen bekommen: Twipsy und den „Traueraltar der Deutschen Einheit“. Aber wenn man Henrike Naumann vertraut, dann klappt das schon irgendwie.

Die Zwickauer Künstlerin hat für ihre Ausstellung unter dem Titel „Mensch.Natur.Twipsy“ (bis 25. August) ganz viel Expo in den Kunstverein geholt. Und viel ostdeutsche Atmosphäre der Nach-Wendezeit.

Ausgangspunkt dieser teils knallebunten Wundertüte war ihre Beschäftigung mit der Treuhand, der Abwicklung der ostdeutschen Industrie – deren Chefin Birgit Breuel war, die vorher eben auch die Expo auf die Schiene gesetzt hat. Sie ist in zwei kuriosen Gemälden in der Schau vertreten und gibt das Scharnier ab, um beide Welten zu verlinken.

Dass die Ausstellung so gerworden ist, hat auch eine praktische Ursache: Für das Thema Treuhand gab es eben kaum Bilder, von der Expo darum umso mehr. Außerdem steht die Expo für ein bestimmtes Deutschland nach der Wiedervereinigung – die Henrike Naumann eher als „Vereinigung“ verstanden haben möchte.

Jahrgang ’84 ist die Künstlerin, fünf Jahre des anderen Deutschlands hat sie erlebt – und diese Zeit schmeckt nach Seife der Marke Lux, die hier auch zu sehen ist – Westpakete enthielten damals Lux und Schokolade, und durch die lange Transportdauer wanderte dann der eine Geschmack auf den anderen über.

Was man auch in einem größeren Rahmen verstehen kann. In dem einen Raum mit dem „Traueraltar“ fühlt man sich wie in im Ausstellungsraum eines Möbelhauses voller 90er-Jahre-Scheußlichkeiten, mit denen die Ossis auf den Westgeschmack gebracht wurden: spitzgiebelige Schrankwandungetüme, Plüsch in Milka-Lila und knautschlederne Sitzgarnituren. Alles übrigens voll authentisch, weil über Ebay-Kleinanzeigen erworben.

Die ganzen Expo-Sachen stammen aus dem Exposeeum – und werden als Solitäre präsentiert. Ob es nun ein Krummdolch aus dem Jemen ist, ein Riesen-Twipsy im Relax-Sessel oder eine Medaille vom Papst, hier ist das Versenken ins Einzelstück gefragt. „Die Weltausstellung“, hat Henrike Naumann erkannt, „zeigt nicht die Welt, sondern das Land, in dem sie stattfindet, wie es von der Welt gesehen werden möchte.“ Oder so.

Henrike Naumann gehört zu den Shootingstars der jungen Szene – wie sie zeitgemäße Fragen in überwältigend gestaltete Räume überführt, ist ziemlich gefragt. Die ausgebildete Szeneografin stellt in Tokio aus, ist beim Berliner Herbstsalon dabei und in diesem Jahr noch mit einer Einzelausstellung im Belvedere in Wien vertreten.

Nur Expo-Seligkeit und Ost-Wohn-Konsum reichen natürlich nicht. Die düsteren Seiten aus Dunkeldeutschland sind auch dabei. Denn die Künstlerin kommt ja aus Zwickau. Naumann: „Der NSU hauste bei meiner Oma um die Ecke – und die Entdeckung des NSU war für mich das einschneidendste Ergebnis seit 1989.“ Was sich in ihrer Abschlussarbeit vorahnen lässt – einem Schwarzweiß-Video mit Wackelkamera gedreht, in dem ostdeutsche Männer per Baseballschläger ihren Hass auf die Welt ausleben. Andere Videos kann man sich selber aussuchen aus dem Original-Material beispielsweise mit dem Titel „Twipsy und Birgit Breuel.“

Im letzten Raum geht dann das Licht der Expo aus, die Wände sind schwarz, dokumentieren fotografisch den desolaten Ist-Zustand des Deutschen Pavillons. Das hehre Ziel der Expo – Nachhaltigkeit – verwandelt sich in eine Dystopie. Und da wird sogar Twipsy ganz traurig.

Von Henning Queren

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