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Kultur Hannover: Opern-Open-Air mit „Bajazzo“
Nachrichten Kultur Hannover: Opern-Open-Air mit „Bajazzo“
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11:17 14.07.2019
Riesenapplaus: Das Opern-Open-Air im Maschpark mit "Cavalleria rusticana" und "Bajazzo" Quelle: Henning Queren
Hannover

Da war es dann doch, das Happy End, Wetter gut, alles gut: 23.500 Opernfans hatten sich beim diesjährigen doppelten Opern-Open-Air des NDR im Maschpark und vor dem Maschteich versammelt, um die beiden großen Verismo-Opern „Bajazzo“ und „Cavalleria rusticana“ zu genießen, 8500 am ersten Abend und dann noch einmal 15.000 am Samstag.

Und da stimmt dann alles. Die Sänger in sehr, sehr guter Form, ein animiertes Orchester und die großen Emotionen, die die italienische Oper zu liefern vermag. Deswegen sind die Zuschauer ja hier, und genau das bekommen sie auch – wenn Turiddu und Bajazzo lieben, leiden und ihrem Schicksal erliegen. Das macht Opernabende wie diesen besonders.

Knalliger als in jedem Opernhaus

Nachdem am ersten Abend das Knistern der Plastikponchos sich in den feinen Sound gemischt hatte – es hört sich ein wenig wie die gute alte Vinylplatte an, leicht verstaubt – bot der Samstag ungestörten Hörspaß. Der sogar im Vergleich zur Premiere noch gesteigert worden ist durch eine sorgfältigere Abmischung des Sounds. Für die zahlenden Besucher vor der Bühne ist der Mix aus Verstärkung und Direktschall der natürlichen Stimmen von Chor und Solisten hinreichend ausgewogen.

NDR Klassik: „Bajazzo“ im Maschpark von Hannover

Nun könnte es ja sein, dass man solche Open-Airs nicht ganz ernst nimmt – weil draußen, anderes Publikum, kein richtiges Opernhaus und überhaupt ... Hier in Hannover ist das nicht der Fall. Was auch an der enormen Spiel- und Sangesfreude des Ensembles auszumachen ist.

Durch die Elektronik werden solche Aufführungen natürlich noch eine Ecke knalliger als in jedem Opernhaus. Was aber immerhin die Wirkung nachhaltig fördert. Wenn Doppel-Held Marco Berti (singt in beiden Opern die Hauptpartie) sein „Vesti la gubba“ aus dem „Bajazzo“ regelrecht in den Himmel über Hannover stemmt und dabei bis an die Randhöhe seiner Stimme geht. Wenn dann noch mit den erschrecklichen Schluchzern, die hier seit Caruso gefordert sind, weiß man, was die italienische Oper vermag. Auch in Hannover.

Leidenschaft beim Duett

Einer der Höhepunkte des Abends und eine starke Droge für den Belcanto-Fan ist immer das Duett von Santuzza (Liudmyla Monstrastyrska) und Turiddu (Marco Berti) in der „Cavalleria“ – da kommt die Leidenschaft von selbst, da kann man vom Pult her auch auf Autopilot schalten.

Was Dirigentin Keri-Lynn Wilson nicht macht, sondern den Sog schön kontrolliert. Die Amerikanerin geht die veristischen Zwillinge mit theatergerechten Tempi und ausreichend knalliger Gestaltung an – die NDR Radiophilharmonie, die ja eigentlich kein Opernorchester ist, geht engagiert mit. Wie auch der Chor, der elektronisch überraschend sauber eingefangen ist. Klangliches Raffinement wäre hier fehl am Platze, aber dafür gibt es ja die Tonkonserven (Karajan, 1966).

Der Sänger sind zumindest top, Claudio Sgura, der in der einen Oper den Alfio, in der anderen den Tonio übernimmt, hat einen entsprechend profunden Grund, bei den Frauen ragt noch Aleksandra Kurzak als Nedda heraus. Und Marco Berti wurde schon erwähnt, eine sichere Bank mit zuverlässiger Kraft und Höhe.

Oper ohne hohe Schwellen

Beide Opern werden halbszenisch aufgeführt. Und das reicht hier tatsächlich, es wird genügend angedeutet und vor allem gespielt, worum es hier geht. Wenn die Komödianten im „Bajazzo“ einrücken, rollen sie mit einem Hippie-Bully vor die Bühne, für die Wein-Taverne des Turiddu reicht ein einfacher Tisch und ein paar tönerne Weinbecher. Und wenn der Bajazzo mit dem Messer für klare Verhältnisse sorgt, glüht das Rathaus von Hannover mit eingängiger Lichtregie blutrot auf.

Das Konzept ist auch diesmal wieder aufgegangen: Oper ohne hohe Schwellen und (für die meisten jedenfalls) bei freiem Eintritt (in den Park). Das gemeinsame Hörerlebnis mit Tausenden Anderen, auch das macht den Zauber solcher Events aus.

Minutenlanger Applaus, der in jeder Hinsicht berechtig ist. Mit diesen Opernabenden hat sich Hannover auch per TV als Musikstadt prächtig präsentiert. Was nach einem da capo verlangt. Im kommenden Jahr wird der Maschpark zur Stierkampfarena – „Carmen“ steht auf dem Spielplan, der NDR sucht bereits ein angemessenes Ensemble. Der Dirigent steht schon fest im Eivind Gullberg Jensen. Man darf sich freuen. Und im Opern-Spanien ist das Wetter naturgemäß wieder richtig gut ... Der Termin steht auch schon: 18. Juli 2020. Der Vorverkauf startet am kommenden Freitag.

Von Henning Queren

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