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Kultur Händels „Alcina“ in der Staatsoper gefeiert
Nachrichten Kultur Händels „Alcina“ in der Staatsoper gefeiert
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17:19 09.02.2020
Großer Auftritt: Hailey Clark ist die Alcina in der Staatsoper. Quelle: Then
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Hannover

Das ist kein feiner Zug: Die Männer erst anlocken, nach allen Regeln der Kunst verführen – und wenn’s dann reicht, weg damit, verwandelt man sie Tiere, Pflanzen oder Steine. In der barocken Zeit lief das natürlich nicht über Tinder, sondern auf einer Insel.

Alcina heißen die böse Zauberin und die Oper, die Händel zur großen Freude Staatsopern-Publikums geschrieben hat. Viele Bravos für Sänger, Musiker, minutenlanger, auch ein wenig erschöpfter Applaus, denn dieser Opernabend nähert sich der Vierstundengrenze.

Was aber nicht weiter auffällt, wenn man allein die Leistungen der Regie nimmt. Lydia Steier hat hier ein knallbuntes Wunderwerk auf die Bühne gestellt, ein Hybrid aus Barock und großer Oper – was Hailey Clark in der Titelpartie ungebremst einlöst.

Barock goes Broadway

Das macht schon Spaß, ihre großen Auftritte (mal in weißem Pelz vor sternenglitzerndem schwarzen Nachthimmel) zu sehen oder auf der Showtreppe mit leuchtenden (!) Bananen und dann das „Ombre pallide“ mit satter Stimmpracht. Nun kann man sich vorstellen, dass stimmlich schlankere Sängerinnen dem Händel-Original näher kommen. Barock goes Broadway, aber warum nicht mal so.

Das stilechte Gegengewicht dazu ist Vince Yi als Ruggiero, der Countertenor mit einer vergleichsweise weißen Höhe – das gibt dann schon den Kick, wenn er das „Verdi prati“ schmachtet. Und er hat tatsächlich genügend Kraft, das Opernhaus zu füllen bei der Täuschungs-Arie „Mi lusinga“. Allein um ihn zu hören, lohnt schon das Ticket.

Die Inszenierung ist eingängig mit vielen schönen Regieeinfällen. Zwei Welten hat Lydia Steier ausgemacht, einerseits die der Alcina – ein Zauberreich, das irgendwo zwischen Bilderbuch-Azteken und 40-er-Jahre-Musical angesiedelt ist. Schön bunt und phantasievoll sind die Kostüme, die verzauberten Männer zeigen viel Haut, die Köpfe sind unter stilisierten Tiermasken verborgen. Und Szenenapplaus, wenn dann der Azteke ordentlich steppt.

Spaß macht auch das Orchester

Es gibt eher heitere Menschenopfer mit herauspraktizierten Gummiherzen und ausreichenden Drehbühneneinsatz, der das klare und nicht gerade überladene Bühnenbild schnell verändert. Und die Gegenwelt aufscheint, die des Ruggiero, in die die rückverwandelten Menschen am Ende wieder zurückkehren, in eine Art Bad Banks: graue Anzüge, graue Krawatten, Melone, hier geht es förmlich zu, hier wird an Schreibtischen Geld verdient.

Aber dass mach auch in Finanzkreisen Spaß haben kann, zeigt das ausgedehnte Schluss-Tableau mit einer Betriebsfeier nach Maß.

Und Spaß macht auch das Orchester (durch versierte Gäste an beispielsweise der Theorbe verstärkt), das mit den barocken Anforderungen gut bis sehr gut klarkommt. Es klingt ein wenig dunkler, weil auf die barocke Stimmung eingestellt, hat ausreichend rhythmische Prägnanz bei durchweg zügigen Tempi: Dirigent Rubén Dubrovsky macht Händels unerschöpflichen Einfallsreichtum hörbar, hält den entsprechenden Kontakt zum Bühnengeschehen und lässt auch den Sängerinnen und Sängern für die großen Auftritte genügend Freiraum.

Den sie teils hinreißend nutzen wie Veronika Schäfer als frecher Oberto, Mercedes Arcuri als auch stimmlich verführerische Morgana, Avery Amereau als liebend-leidende Bradamante und Rupert Charlesworth als sehr männlicher Oronte.

Die sonst immer sehr langen Rezitative sind hier geschickt gekürzt, sodass ein in jeder Hinsicht kurzweiliger Abend entsteht. Auch wenn die Produktion eine Übernahme von der Baseler Oper ist: Endlich mal wieder ein Barock-Abend im großen Haus. So macht Händel richtig Spaß.

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Von Henning Queren

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