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Kultur „Golden Days“ in der Staatsoper
Nachrichten Kultur „Golden Days“ in der Staatsoper
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15:49 22.04.2019
Bereit für den Kampf: Aterballetto rockt zum den rauen Songs von Tom Waits im ersten Stück „Rain Dogs“. Quelle: Foto: Prudence Upton
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Hannover

Die sieht erstmal aus wie eine vollgeräucherte Kneipe, Nebel wabert über die Bühne, dazu röhrt wattstark die Whisky-Stimme von Tom Waits: Die „Rain Dogs“ sind los. So heißt der erste Tag des grandiosen Dreiers „Golden Days“, mit dem das italienische Aterballetto den Gastspielreigen der diesjährigen Ostertanztage abschließt.

Der Bewegungsfluss ist vergleichsweise weich, kontrastiert wunderbar die harten E-Gitarren und die nicht minder eindringliche Stimme. Die Tänzer werden zu einer Säule in die Bühnentiefe ausgerichtet, die sich immer wieder auflöst. Alles perfekt auf den Bluesrock abgestimmt.

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Die Kleidung: ganz alltäglich; die Stimmung: ein wenig melancholisch; die Konstellation: gender-divers. Hier werden Männer auch gerne mal zu Frauen, wenn die Klamotten und die Bewegungsmuster getauscht werden. Eine Geschichte wird nicht erzählt, muss auch gar nicht sein, die Songs bringen schon reichlich Inhalt mit.

Dann Spot an auf einen dampfenden Pudel, der sich in Rauch auflöst – schöner Gag – dann gehts nach „Birdland“. Zu dem gleichnamigen Song von Patti Smith legt Ivana Mastroviti ein hinreißendes Solo hin. Auf das man sich konzentrieren muss, denn die Blicke gehen immer wieder zu den Bühnenarbeitern, die konzeptbedingt damit beschäftigt sind, einen weißen Bühnenbelag mehrbahnig auszurollen – aber auch das gehört zur Choreographie von Johan Inger.

Dann ist der Boden bereitet für eine gute halbe Stunde glücklich machenden Tanz unter dem Titel „Bliss“ (Glückseligkeit). Der dunkle Bühnenhintergrund schimmert im Sternenglanz ferner Lichtpunkte, aus der Konserve setzt Keith Jarrett zu seinem energiereichen Tastensolo aus dem „Köln Concerto“ an. Hier wird Johan Inger am klassischsten, gelingen ihm immer wieder überraschend aufgelöste kleinere Formationen – wenn da ein Pas de Deux sich unglaublich organisch in einen Vierer auflöst.

Die Musik ist zu Ende, ein einzelner Tänzer rotiert im tiefen Schweigen, immer wieder neu beginnend, los, mehr, noch mal, fordert er mit seinen Bewegungen. Aber es ist Schluss. Ein schöneres Finalbild können die Ostertanztage gar nicht bekommen – von denen man nicht weiß, ob sie weitergehen.

Damals zum Start 2003 war schon das Aterballetto mit „Casanova“ dabei, dem Scigliano-Stück, in dem der Verführer gleich siebenfach über die Bühne tanzte.

Fazit: tolle Gastspiele, Erstaufführungen, das eigene Ensemble in Hochform, ausverkaufte Vorstellungen. Immerhin 13 Jahre lang hatte die Staatsoper das Ballettpublikum mit internationalem Standard bekannt gemacht, aufregende, junge, etablierte, meist spannende Compagnien nach Hannover geholt. Nicht nur für den Abend, für die gesamten Ostertanztage gibt es:

Von Henning Queren

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