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Kultur Franz Schreker in Hannover
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16:08 27.03.2019
Psycho-Drama: Am 6. April steigt eine der aufwendigsten Premieren an der Staatsoper – mit Karine Babajanyan (links) und Robert Künzli
Psycho-Drama: Am 6. April steigt eine der aufwendigsten Premieren an der Staatsoper – mit Karine Babajanyan (links) und Robert Künzli Quelle: Jauk
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Hannover

Der Stoff könnte zu einem Horror-Psycho-Porno-Thriller passen: Adlige verschleppen junge Mädchen in einen parfümierten Edelpuff, vergewaltigen und ermorden sie. Und am Ende herrscht nur noch Wahnsinn und Vernichtung. „Die Gezeichneten“ heißt das Schaueropus von Franz Schreker (1878–1934) – selten gespielt, nur wenige Häuser wagen sich daran. Vor 100 Jahren war die Uraufführung. In Hannover hat es nun am 6. April Premiere.

Das ist so ein Werk, bei dem man es so richtig krachen lassen kann – das sich Opernintendant Michael Klügl in der Schlusskurve seiner Intendanz noch einmal leistet. Riesenorchester, da wird es unten vor der Bühne verdammt eng werden. Das ganze Ensemble wird bis an die Grenzen gefordert. Wie auch das Publikum, das eine satte Klangdroge bekommt, gegen die Wagners „Tristan“ wie Salbei-Tee wirkt.

Die Proben laufen auf Hochtouren. Wie bringt man nun so ein Stück auf die Bühne? „Ich zeige eine Seelenlandschaft auf auch in der Tiefe, Menschen, die sich in einem großen Kampf untereinander aber auch in einer großen Liebe zeigen“, sagt Regisseur Johannes von Matuschka.

Und wie ist es mit der Drastik, die das Libretto ja auch fordert? Das berüchtigte „Elysium“, von dem die Oper handelt, könnte man ja auch als Adlige Swinger-Club darstellen? „Das muss man in eine Balance bringen, denn die Oper handelt ja auch von einem absoluten Streben nach Sinnlichkeit und Schönheit, die liegen in einem ständigen Battle“, sagt der Regisseur, der in Hannover bereits den „Traumgörge“ erfolgreich auf die Bühne gestellt hat.

„Die Gezeichneten“ spielen eigentlich in der Renaissance – für Schreker sicher ein Weg, auch die damalige k.u.k.-Zensur zu entgehen und gleichzeitig die Wiener Gesellschaft zu karikieren. Johannes von Matuschka will das in einer „brisanten Gegenwart“ verorten. Die Mädchen werden dann aus der „Mitte der Gesellschaft“ kommen – nicht wundern, wenn sich während der Vorstellung junge Damen aus dem Publikum erheben und auf die Bühne schreiten.

Höhepunkt? Matuschka; „Im dritten Akt werden wir unser kleines ,Wunder’ entfalten – mit einer starken, soghaften Installation. In der Oper geht es ja auch darum, die Natur umzukehren, und bei uns fällt das Wasser von unten nach oben.“ Hört sich spannend an.

Premiere: 6. April, 19.30 Uhr. Die besseren Tickets werden schon knapp.

Von Henning Queren

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