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Kultur „Fausts Verdammnis“ an der Staatsoper
Nachrichten Kultur „Fausts Verdammnis“ an der Staatsoper
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00:18 20.02.2019
Geld, Geld, Geld: Hier sieht man, dass es einfach Freude macht, wenn die Kurse steigen und den Herzschlag beschleunigen. Mit Eric Laporte als Faust (vorn Mitte). Quelle: Landsberg
Hannover

Wenn die Kurse steigen, darf der Broker auch mal die Sau rauslassen. Paaaaarty auf der Opernbühne. „Fausts Verdammnis“ von Berlioz, hier ist Faust in der Wall Street gelandet. Her mit dem „Chief of Happiness“: In Auerbachs Weinkeller wird so abgefeiert, dass allein das schon den Besuch dieser Inszenierung lohnt.

Die junge französische Regisseurin Marie-Ève Signeyrole hat die „dramatische Legende“, die diese Oper laut Untertitel eigentlich ist, mit Präzision und überlegenen technischen Mitteln sauber in die Gegenwart geholt.

Und das geht so: Faust macht seinen Schotter an der Börse, die Studiertstube ist sein Handelsplatz. Überdruss, Burnout, so sitzt der urdeutsche Denker am Schreibtisch, schiebt Aktien herum und denkt darüber nach, dass ein Kurssprung vielleicht willkommener Anlass für einen Sprung aus dem Fenster ist.

Aber es gibt ja schließlich Drogen. Und diese hier heißt nicht Methamphetamin, sondern Mephisto. Der bringt Abwechslung und reichlich Bewegung in den grauen Börsenalltag.

Den Takt gibt gleich am Anfang der berühmte „Ungarische Marsch“ vor. Bemerkenswert, und das zeigt sich schon hier, ist der Einsatz von wirkungsmächtigen Videos. Im Hintergrund läuft ein kleines Kunstwerk über die erfolgreiche „Faust Company“ mit steigenden Kursen und beschleunigten Herzschlägen, dazu eine ausgefeilte Choreografie (Julie Compans) der tanzenden Broker, von oben aufgenommen und per Überblendung in Draufsicht zu sehen. Super. Schnell sind so die Millionen zusammen und die Feier kann steigen.

Die Videos zeigen ansonsten beeindruckende Drohenfahrten über Hochhäuserschluchten, bedrohliche Himmel. Und alles ist da, was man aus dem „Faust“ kennt, die Folie, die die Regie über die herkömmliche Handlung legt, ist absolut passgenau. Dazu gehört auch die Verdopplung der Hauptfiguren. Faust und Mephisto sind hier gegenseitige Doppelgänger – der Versucher ist dann das dunkle Ich das anderen.

Margarethe liebend und leidend wird als Büromaus auf dem Schreibtisch präsentiert. Und in einer Nebenerzählung gehts zurück bis in Fausts Kindheit mit problematischer Mutterbeziehung und Schülermobbing – bei dieser Regie muss man ein wenig mehr aufpassen.

Der Aufwand ist überhaupt sehr groß mit durchgestylten Requisiten, richtig geforderter Bühnenmaschinerie und einem per mächtig schmauchender Rauchmaschine erzeugtem Wald im geheimnisvollen Nebel. Und am Ende gibt es nicht ganz partiturgerecht ein bisschen gesungene deutsche Romantik, Aber okay, das passt ja zu Faust.

Wie das ganze Ensemble in dieser Dow-Jones-Regie – enorme Spielfreude bist in die Reihen der Komparsen. Herausragend ist dabei Eric Laporte als erstaunlich höhensicherer Faust, der die Verzweiflung wie auch Durchgeknalltheit stimmlich wie darstellerisch gut rüberbringt. Und Shaleg Armasi als Mephisto ist mit seinem samtigen Bariton ein echter Verführer, der auch entsprechend agiert – und mit einem Fingerschnippen den Heilschor dirigiert.

Hellwach steuert Ivan Repušić durch die Partitur, zieht das Tempo an den entsprechenden Stellen an und hält den prachtvollen Chor in Form, der „Ungarische Marsch“ klingt eher nobel denn wild, aber das muss ja kein Fehler sein. Monika Walerowicz ist eine ebenso verführerische wie präzise Margarethe.

Egal ob der Dax steigt oder fällt, dieser „Faust“ ist in dem Fall ein echter Kursgewinn.

Von Henning Queren

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