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Kultur Die hohe Kunst der Zeichnung
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00:20 26.03.2018
Schön scharf: Adolf von Menzels Schleifer überprüft den Schnitt der Klinge.
Schön scharf: Adolf von Menzels Schleifer überprüft den Schnitt der Klinge. Quelle: Foto: Landesmuseum
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Hannover

Ein Bild ist heute schnell gemacht, ein Swoosh, ein Klick auf dem Smartphone – und fertig ist das Porträt, die Landschaftsansicht. Vor 200 Jahren hat das Stunden oder Tage gedauert. Und auch eine andere Sicht auf die Welt gelehrt.

Zeichung hieß das Instagram im 19. Jahrhundert. Und einige der schönsten Zeichnung aus der eigenen Sammlung präsentiert das Landesmuseum in der fein zusammengestellten Ausstellung „Romantische Blicke“.

Die Ausstellungsräume sind mild abgedunkelt, damit die kostbaren Blätter nicht vom Tageslicht beschädigt werden. Blätter, die man sonst nur nach Voranmeldung einzeln im Kupferstichkabinett vorgelegt bekommt.

Wie Emil Lugos mit feiner Feder aufgetürmte „Schwarzwaldlandschaft“ oder der farbig aquarellierte „Neptunstempel“ von Johann Erdmann Hummel, die schon beide die meisterliche Beherrschung der nötigen handwerklichen Technik belegen. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Romantik mit großen Namen wie Ludwig Richter, Carl Blechen und Franz Ludwig Catel.

Die Motive sind überaus vielfältig, zeigen Landschaften, Porträts, Architektur, Personen und bisweilen scheinbar wertlose Kleinigkeit, die durch den Blick des Künstlers veredelt werden.

Man muss schon reichlich Zeit mitbringen, um auch die einzelnen Details genießen zu können wie Joseph Anton Kochs Illustration zu Dantes „Göttlicher Komödie“, auf der unzählige Monster mächtig herumfoltern. Oder das Wecken der Reiselust durch die zarte Zeichnung der „Cascadellen von Tivoli“ von Johann Georg von Dillis.

Die Ausstellung widmet sich sieben Kapiteln unter anderem der „Suche nach der idealen Landschaft“, der „Neugeburt aus der Vergangenheit“, der „Wahrheit der Natur“ oder „Im Blick: Der Mensch“.

Und manches hat auch direkten Hannover-Bezug, wenn man August Kestner, den Gründer des Museums, in Italien an seinem Schreibtisch sieht. Oder einen kleine Wagner auf einem Familienbild entdeckt, den Gründer der „Pelikan“-Dynastie.

Die Sammlung des Landesmuseum ist mit ihren mehr als 13 000 Blättern überwältigend, 2000 umfasst das 19. Jahrhunderts. Eine Zeit, die wieder gefragt ist – wenn man sich die steigenden Preise für entsprechende Kunst in den Auktionshäusern anschaut oder die wachsende Zahl von Ausstellungen oder die zunehmende wissenschaftliche Erforschung.

Eröffnung morgen ab 11.30 Uhr. Der wunderbare Katalog (150 Seiten, 16,90 Euro) widmet jedem Werk eine ausführliche Betrachtung.

Am 23. Mai geht es um den „romantischen Mann“. Aber 19 Uhr spricht im Landesmuseum der Kunstgeschichtler Michael Thimann (Uni Göttingen) über briefeschreibende und zeichnende Männer des 19. Jahrhunderts und was sie bewegte.

Von Henning Queren

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