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Kultur Devid Striesow mit Robert Walser im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur Devid Striesow mit Robert Walser im Schauspielhaus
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16:14 17.03.2019
Lesender Schauspieler: Devid Striesow überzeugt im Schauspielhaus mit den skurrilen Texten von Robert Walser Quelle: Wallmüller
Hannover

„Aber das Eine weiß ich bestimmt: Ich werde eine reizende, kugelrunde Null im späteren Leben sein.“ Da haben wir ihn, einen dieser verschrobenen Sätze, die der Schriftsteller Robert Walser – keine Verwandtschaft mit Martin – so wunderbar zu drechseln wusste.

Und die Schauspieler Devid Striesow, bekannt unter anderem als „Tatort“-Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink, einem entzückten Publikum bei seiner Lesung im Schauspielhaus gleich dutzendfach servierte.

Walsers Texte haben eine ganz eigene Qualität, sind elegant und umständlich zugleich, wirken höchst befremdlich und irgendwie sehr komisch, kombinieren punktgenaue Charakterisierungen mit einer lässigen Lust an der Selbstaufgabe. Immer wieder sind die Figuren, die da in der Ich-Form erzählen, gleichsam reizende, kugelrunde Nullen.

Es hat ja auch seine Vorteile: Jakob von Gunten etwa schätzt den Uniformzwang in der Dienerschule (eine solche hat Walser tatsächlich besucht), weil er sich bei der eigenständigen Wahl seiner Kleidung so schwer entscheiden kann.

Fast am erwachsensten, wenngleich etwas exzentrisch, wirkt der Auftritt des vierjährigen Felix: „Ich hätte mich nie für so einsichtsreich, für so klug und umsichtig gehalten. Ich bezaubere mich förmlich. Wie nett muss es sein, mit mir zufrieden zu sein ...“

Leicht zieht Striesow bei solchen Sätzen die Augenbrauen hoch, überhaupt lässt er hier und da den exzellenten Schauspieler durchscheinen, ohne jedoch zu übertreiben. Und Fehler werden souverän ins Geschehen eingebaut: Als sich Striesow beim Wort „Buchherausgabelust“ verhaspelt, kündigt er frohgemut einen zweiten Versuch an.

Wenn man eine Wurst verspeist, ist sie anschließend nicht mehr da. Genau genommen keine sonderlich überraschende Erkenntnis, doch Walser schafft es, sein Missfallen über dieses alltägliche Phänomen endlos zu variieren, und der Vortragende redet sich zur Erheiterung des Publikums minutenlang immer mehr in Rage. Passender Schlusspunkt: der vergleichsweise besinnliche Text „Schneien“. „Auf ganze Staatswesen, Staatshaushaltungen schneit es herab. Nur Seen und Flüsse sind uneinschneibar“, schrieb Robert Walser, der die letzten Jahrzehnte seines Lebens in einer Heilanstalt verbringen musste und dann auf einem Spaziergang im Schnee starb.

Viel Beifall, Devid Striesow lässt es bei einer kurzen Zugabe bewenden. Ist auch gut so – eine Überdosis dieser dann doch sehr speziellen Texte wäre entschieden unbekömmlich.

Von Jörg Worat

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