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Kultur Delia Jürgens im Sprengel Museum
Nachrichten Kultur Delia Jürgens im Sprengel Museum
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15:51 16.11.2018
Wachsweich: Sprengel-Preisträgerin Delia Jürgens neben einer Paraffinwand – eins der typischen Materialien, mit denen die hannoversche Künstlerin arbeitet. Quelle: Queren
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Hannover

Die Oberfläche ist schon klasse, sieht aus wie geschliffenes grünes Glas, könnte auch Schiefer sein – und ist doch weich und verletzlich. Paraffin ist das bevorzugte Material der hannoverschen Künstlerin Delia Jürgens.

Die auch in den USA gefeierte Bildhauerin ist aktuelle Trägerin des Sprengel-Preises und wird dafür in einer feinen Ausstellung im Sprengel Museum gefeiert. Titel der Schau „The Future is but a Second away“.

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Was natürlich in jeder Hinsicht und für jede Zeiteinheit stimmen mag. Die Produktion dieser Ausstellung hat jedenfalls einige Zeit in Anspruch genommen. „Das sah hier bisweilen aus wie ein alchemistisches Studio“, so Sprengel-Direktor Reinhard Spieler.

Ein wenig magisch ist es dann schon, wenn vor Ort Wachs in Kunst umgeschmolzen wird, aus dem dann die wunderbar-wundersamen Platten entstehen, die vom Ausstellungshimmel herabhängen oder auf dem Boden ausgelegt sind – bisweilen erhöht auf einem Spiegel, damit man das Spiel des Materials auch auf der jeweiligen Unterseite betrachten kann. Oder: Zwei Schlafsäcke sind bedruckt mit digitalen und bearbeiteten Bildfunden aus dem Internet, deren Oberflächen ähnlich interessant aber weniger haptisch sind.

Ihre Werke sind „Materialisierungen“, ihre Kunst beschreibt Delia Jürgens so: „Mich interessiert, was bleibt, wenn der Moment vergangen ist.“ Das Material holt sie aus der großen weiten Welt der Alltäglichkeit, aus Baumärkten beispielsweise. Woraus dann Phantastisches entstehen kann. Wie dieser große Glasbehälter, auf dessen Boden schwarze Kugeln ausgelegt sind. Aus der Ferne betrachtet könnten es Fischeier sein, vielleicht Spielmaterial für Kinder. Es sind aber wasserspeichernde Bälle für Pflanzenlandschaften, die langsam ihre Feuchtigkeit abgeben und die Glasscheiben des Behältnisses tropisch beschlagen lassen – ein Biotop der Kunst geboren aus dem Geist der Ein-Euro-Shops.

Bis 17. Februar.

Von Henning Queren

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