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Kultur Brigitta Muntendorf bei den Kunstfestpielen Hannover
Nachrichten Kultur Brigitta Muntendorf bei den Kunstfestpielen Hannover
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18:05 22.05.2018
Junge Wilde.: Götz Schumacher, Brigitta Muntendorf und Andreas Grau haben Grund sich zu freuen. Die kleinen Synthies spielen eine besondere Rolle.
Junge Wilde.: Götz Schumacher, Brigitta Muntendorf und Andreas Grau haben Grund sich zu freuen. Die kleinen Synthies spielen eine besondere Rolle. Quelle: Krückeberg
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Das ist mal Musik mit Herz. Die beiden Pianisten klopfen sich mit der Hand an die Brust – und in der Orangerie antwortet ein infernalischer Lärm. Irgendwie bumm-bumm-paa. Und damit werden die Ohren auf eine abenteuerliche Hörreise geschickt, die noch viel mehr absonderliche Klangerfahrungen und aberwitzige Klaviermusik bietet.

Das ebenso wunderliche wie hochgradig faszinierende Dreiviertelstunden-Stück hat den schlichten Titel „Trilogie für zwei Flügel“, stammt von der jungen Komponistin Brigitta Muntendorf – und treibt das immerhin hochgradig versierte Pianoduo „GrauSchumacher“ an die Leistungsgrenzen eines Konzertpianisten.

Und fordert vom Zuhörer eine enorme Aufnahmebereitschaft, um dem folgen zu können, was da an Klängen, Tonkaskaden, Rückkopplungspfeifen, Klangloops und Diskantgehämmer auf einen einstürmt.

Das Ganze funktioniert natürlich nicht mit zwei bloßen Klavieren – ein großer Anteil hat die Live-Elektronik. Den beiden Pianisten Götz Schumacher und Andreas Grau wachsen Kabel unter den dunklen Anzügen hervor, sie sind mit Körpermikrophonen ausgestattet, die auf die verschiedenen Bewegungen reagieren. Wenn die Partitur fordert, mit den Armen über die Klavierbänke zu streichen, mischen sich die Schleif- und Schnarrgeräusche in den musikalischen Fluss.

Besonders wirkungsvoll sind natürlich die phonstarken Explosionen, die über bassstarke Boxenbündel am Bühnenhimmel abgestrahlt werden. Und bisweilen wird es ganz still – wenn am Ende des zweiten Satzes sich die Pianisten voneinander und von den Instrumenten abwenden und kleine Mini-Synthesizer spielen – die aber abgeklemmt sind und nur noch das leere Klappern der Tasten von sich geben.

Neben diesem Soundgewitter zwischen Eisengießerei, Liszt und „Matrix“ gab es noch Debussy („Prélude“, „En blanc et noir“), der einfühlsam mit nötiger Struktur gespielt wurde – aber besonders bei den delikaten Passagen einen besser klingenden Konzertsaal verdient hätte.

Bernd-Alois Zimmermann passte dann wieder, der war ein Vorläufer im Geiste für die Uraufgeführte, der mit seinen „Perspektiven – Musik zu einem imaginäre Ballett für zwei Klaviere“ aus der Mitte der 50-er Jahre damals den Zuhörern ähnliche Klangerfahrungen verschaffte. Mit einfacheren Mittel: Hier mussten die Pianisten die Tasten mit dem kompletten Unterarm runterdrücken – mit ganzem Körpergewicht, auch das wummert schön.

Von Henning Queren

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