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Kultur Breivik-Stück in Hannover
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16:29 14.03.2019
Fragen: In dieser Installation wird Gjertrud Jynge im Breivik-Stück „Einer von uns" auftreten. Quelle: Behrens
Hannover

In Norwegen weiß jeder, wo er an diesem Tag war. An diesem 22. Juli 2011. Als Anders Breivik 77 Menschen tötete. Die Schauspielerin Gjertrud Jynge war in Schweden. Mit ihrer deutschen Freundin und deren zwei Kinder verbrachten sie einige Tage in einem abgelegenen Landhaus – wo sie die Nachrichten hörten. Weil es kein Internet gab, keinen Fernseher, per Radio.

Auf der Basis einer Recherche der Journalistin Åsne Seierstad über die Breivik-Morde ist ein Buch und daraus ein Stück entstanden. Das Schauspiel Hannover bringt das schwierige Thema nun auf die Bühne – in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Det Norski Teatret. Bewusst nicht als Theater, sondern als „Spurensuche“. Der Titel: „Einer von uns“.

Stimmt das? Gjertrud Jynge überlegt, wägt ihre Worte. „Die Tragödie ist dabei, dass er eigentlich niemals einer von uns war. Er versuchte es nur, er hat es aber nie geschafft.“ Er sei natürlich insofern einer von uns gewesen, weil er eben in diesem Norwegen der Gegenwart aufgewachsen ist und hier wurde, wie er war.

Das Breivik-Attentat ist die Wunde des gegenwärtigen Norwegens, ein Trauma: „Wir waren so ein friedliches Land, es war wunderbar für Kinder, hier aufzuwachsen.“

Das Stück gehört auf die Bühne findet Gjertrud Jynge: „Es ist genug Zeit vergangen und wir sind aufgerufen, das Drama zu untersuchen.“ Ihre Rolle in diesem Stück? „Ich spiele mich, Gjertrud, auf der Suche nach einer Antwort.“ Zur Vorbereitung hatten des Regieteam und die Schauspieler einige Workshops in Norwegen. Hier wurde dann darüber gesprochen, was jeder einzelne von dem Stück erwartet, was er selbst wissen will. Und die Hauptrolle? „Die spielt diese Installation, die ist essentiell für dieses Drama, denn wir spielen ja nicht, wir untersuchen.“

Die vier Schauspieler – zwei Deutsche, zwei Norweger – brauchen Kraft für den Abend, nicht nur mentale. Das Bühnenbild besteht aus einer Skulptur der beiden Konzeptkünstler Lars Ø. Ramberg und Ditteke Waidelich. Kiloschwere Holzkisten, mit verschiedenen Begriffen bedruckt, werden von den Akteuren herumgewuchtet und dienen als Sitzgelegenheiten für die Zuschauer. Zwei Stunden dauert die Aufführung. „Als Zuschauer soll man vor allem ganz viele Fragen mitnehmen.“

Hier gibt es nun Breivik als Theater. Hat sie auch die Verfilmungen gesehen? „Ja, die eine von Paul Greengrass.“ Sie sei nicht sehr glücklich damit gewesen, weil es doch zu sehr zum Hollywood-Movie geworden war mit erfundener Love-Story und zuviel Sentimentalität.

Wichtig sei aber die immer währende Auseinandersetzung mit dem Thema Breivik: „Wir müssen versuchen, es zu verstehen, uns immer wieder fragen, was und warum es an diesem Tag geschehen ist.“ Ein Tag, „an dem wir unsere Unschuld verloren haben“. Niemand hätte vorher gedacht, dass so eine Tat in Norwegen möglich wäre.

Für Gjertrud Jynge ist es unmöglich, Breiviks Untaten durch Schweigen in die Vergessenheit zu verbannen. „Er ist immer gegenwärtig.“ Auch direkt für sie greifbar. Von ihrer Wohnung in Oslo kann sie das Regierungsgebäude sehen, vor dem Breivik die Bombe zündete und acht Menschen tötete. Es ist immer noch mit Plastikplanen verhüllt.

Die Premiere am 20. März ist bereits ausverkauft. Die nächsten Vorstellungen sind am 21. und 22. März.

Von Henning Queren

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