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Kultur Best-Off-Preis für „xweiss“
Nachrichten Kultur Best-Off-Preis für „xweiss“
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00:23 02.05.2018
Die Besten: Festivalleiterin Daniela Koß (von links) ehrt das Theatertrio „xweiss“ aus Braunschweig mit Mona Kyas (Assistenz und Guide) Anna Fingerhuth (Tänzerin) und Christian Weiß (Regisseur).
Die Besten: Festivalleiterin Daniela Koß (von links) ehrt das Theatertrio „xweiss“ aus Braunschweig mit Mona Kyas (Assistenz und Guide) Anna Fingerhuth (Tänzerin) und Christian Weiß (Regisseur). Quelle: Foto: Gerull
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Hannover

Mitten in einem Kriegsgebiet, so fühlt man sich als Zuschauer. Raus aus der Komfortzone: Das vermittelt das Stück „Welcome to the Comfort Zone“ von der Gruppe „xweiss“ und hat deshalb verdient den Preis des Best-Off-Festivals geholt.

In das „Kriegsgebiet“ wird man von einer Tänzerin geführt, die ein Flüchtlingskind mimt, und auf eine Gedankenreise mitgenommen. Man hat die Augen verbunden, das „Kind“ zeigt seine Heimat. Hier steht man in einem Moment auf einem belebten Basar und tastet sich durch die Kisten orientalischer Gewürze durch – bis das Geräusch von Bomben die Luft zerreißt und man sich auf einer blinden Flucht befindet.

Schutzsuchend im Elternhaus des Flüchtlingskind, ist der eigene Atem schwer und die Hände zittern. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion wird durchlässig gemacht. Keine Chance, vor seinen Gefühlen zu flüchten. Keine Möglichkeit, den Blick schweifen zu lassen, um sich abzulenken. Alleine mit den ausgelösten Emotionen sitzt man in Dunkelheit in einem Theaterraum des Pavillons und fühlt Ohnmacht. Eine Erfahrung, die tief geht – und einen Nerv trifft.

Denn Deutschland sei eben nicht nur Export-, sondern auch Migrations-Weltmeister. Und Abschottung sei dabei kein Rezept, so Gunter Dunkel, Präsident der Stiftung Niedersachsen (Veranstalter des Festivals). Und anstatt die Augen vor der Realität zu verschließen, geht „Welcome to the Comfort Zone“ noch eine Ebene tiefer, lässt physische Grenzen von Raum und Zeit hinter sich.

Was übrig bleibt, ist die eigene Wahrnehmung einer Welt, die sich einem sonst wohl niemals erschließen würde. „Das Stück ist eine Erfahrung, die weiter trägt als die mediale Überflutung mit unzähligen Bildern des Krieges. Den Mut, den „xweiss“ bewiesen hat, trotz aller Ohnmacht drei Menschen diesen Erfahrungsraum zu erschließen, ist politisch ein Tropfen auf dem heißen Stein“, erklärt Jurymitglied Dirk Förster, Leiter des LOFFT in Leipzig, bei der Preisverleihung die Entscheidung der Jury.

Die Gruppe „xweiss“ aus Braunschweig hat sich damit unter den sechs Best-Off-Finalisten im Pavillon durchgesetzt und ein Preisgeld in Höhe von 5000 Euro gewonnen.

Festival-Leiterin Daniela Koß schloss die spannende Aufführungsreihe mit der Aufforderung an die freie Szene, ihre Freiheit zu nutzen und sich damit auch weiterhin an gesellschaftsrelevante Themen heranzuwagen – so wie es die Gewinnergruppe „xweiss“ diesmal vorgemacht hat.

Von Josina Kelz

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